Steinkohle-Kraftwerk Lünen erfolgreich gesprengt

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Lünen. Über acht Jahrzehnte prägte das Lüner Steinkohlekraftwerk der Steag die Region. Am Sonntag wurde dieses Kapitel Industriegeschichte nun lautstark beendet: Die Hagedorn Unternehmensgruppe sprengte ein Kesselhaus, den Kühlturm, den Wäscher der Rauchgasentschwefelungsanlage und einen 250 Meter hohen Schornstein des ehemaligen Kraftwerks und schafft damit Raum für dringend benötigte neue Gewerbe- und Industrieflächen.

Die größte Sprengung Deutschlands in diesem Jahr wurde über ein Dreivierteljahr intensiv vorbereitet. Beginnend mit den Sprengstatiken und Erschütterungsprognosen, den darauffolgenden Abstimmungen mit den umliegenden Versorgungsunternehmen und Nachbarn, bis hin zur Gleissperrung.

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Die Gebäude wurden mit 2132 Sprenglöchern im Stahlbeton und 122 Schneidladungen zur Stahlsprengung präpariert. In Summe wurde 420 Kilogramm Sprengstoff benötigt, der von den Fachleuten präzise positioniert und dann elektronisch im Millisekunden-Bereich gezündet wurde. Der 250-Meter-Schornstein wurde zur Minimierung der Fallrichtungsabweichung gefaltet, die zweite Sprengebene in 140 Metern Höhe sorgte für zwei gegenläufige Fallrichtungen des Bauwerkes. Der Staubniederschlag erfolgte mit 3.000 Kubikmetern Wasser, die per Sprengschur einen künstlichen Regen erzeugten.

Die erfolgreiche Sprengung war eine der größten Herausforderungen bei der Umwandlung des 37 Hektar großen Areals.

„Wir bauen nun auf eine weitere gute Zukunft für das ehemalige Kraftwerksgelände. Denn wir haben es hier mit tatkräftigen privaten Investoren in einem guten Zusammenwirken mit der Stadt und Region Lünen zu tun. Gemeinsam wollen wir aus dieser Fläche etwas Gutes für die Menschen und die Wirtschaft entwickeln“, betont Prof. Dr. Andreas Pinkwart, Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen.

Thomas Hagedorn, geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmensgruppe, ergänzt: „In Zeiten von Flächenknappheit bergen ausgediente Kraftwerksareale enormes Potenzial. Indem wir an Standorten wie Lünen neue Nutzungskonzepte entwickeln, leisten wir einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung einer ganzen Region und schaffen neue Perspektiven für die lokale Bevölkerung.“

„Das war ein ergreifender Moment für die Lünerinnen und Lüner. Hier stand ein Kraftwerk, was den Menschen in der Region 80 Jahre lang die Lebensgrundlage geliefert hat. Es ist etwas, was wegbricht, aber gleichzeitig erleben die Menschen greifbar die Chance, dass hier etwas Neues entsteht“, unterstreicht Lünens Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns.

Größte Sprengung Deutschlands im Jahr 2021

Die erfolgreiche Sprengung umfasste nicht nur das 70 Meter hohe Kesselhaus, den 110 Meter hohen Kühlturm sowie den 50 Meter hohen Wäscher der Rauchgasentschwefelungsanlage, sondern mit 250 Metern auch einen der höchsten Schornsteine Deutschlands. Nicht ohne Stolz verkündete Sprengmeister André Schewcow deswegen anschließend: „Wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Denn alle Sprengungen verliefen planmäßig und die Gebäude lagen schon nach wenigen Sekunden so, wie sie sollten.“

Nun folgen der Rückbau und die Verwertung der gesprengten Objekte. Dabei kommen über 40 Großbagger und Maschinen zum Einsatz, darunter auch der größte Abbruchbagger Deutschlands.

100 Prozent des rund 180.000 Tonnen schweren Bauschutts und Schrotts werden recycelt und der Bauschutt noch direkt vor Ort wiederverwendet. So werden Ressourcen geschont, Transporte minimiert und die Entsorgung reduziert.

Ehemalige Kraftwerksfläche wird bereits seit 2019 für neue Nutzung vorbereitet

Die Hagedorn Unternehmensgruppe hat die 52 Fußballfelder große Fläche vor etwas mehr als einem Jahr übernommen. Auf dem Gelände an der Moltkestraße sollen in enger Abstimmung mit der Stadt Lünen hochwertige neue Industrie- und Gewerbeflächen entstehen. Seit 2013 hat die Gruppe insgesamt über 1,5 Millionen Quadratmeter sogenannter Brownfieldflächen revitalisiert. Hagedorn steuert dabei stets die komplette Prozesskette aus einer Hand. So auch aktuell in Lünen: Vom Erwerb der Fläche über die Entkernung und den Rückbau sämtlicher Gebäude, das Recycling und Stoffstrommanagement der anfallenden Materialien bis hin zur Bodenaufbereitung und Verdichtung sowie dem abschließenden Tief- und Straßenbau greifen alle Prozesse eng ineinander.

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