Werne. Wie aus einem widerwilligen Siebenjährigen einer der bedeutendsten Organisten der Welt wurde – und warum Felix Hell Ende September nach Werne kommt. „Eigentlich wollte ich da gar nicht hin.“
Wenn Felix Hell von seiner ersten Begegnung mit der Orgel erzählt, beginnt die Geschichte nicht mit einem Wunderkind am Instrument. Sie beginnt mit einem Jungen, der lieber etwas anderes gemacht hätte, als sich ein Orgelkonzert anzuhören.
Seine Eltern nahmen ihn mit in den Speyerer Dom. Für den Siebenjährigen war das keine besonders verlockende Aussicht. Die Orgel kannte er aus Gottesdiensten. Sie gehörte für ihn in die Kirche – und ehrlich gesagt fand er sie ziemlich langweilig. Also wurde verhandelt. Ein einziges Konzert, versprachen die Eltern. Wenn es ihm nicht gefalle, müsse er nie wieder eines besuchen.
Heute erzählt Felix Hell diese Geschichte mit einem Lächeln. Denn schon nach wenigen Minuten war alles anders. Als die ersten Töne von Bachs Toccata und Fuge d-Moll durch den Dom klangen, spürte er die Musik nicht nur mit den Ohren. „Die Kirchenbänke haben vibriert“, erinnert er sich. „Ich hatte Gänsehaut.“ Nach dem Konzert durfte er auf die Orgelempore. Dort stand plötzlich diese gewaltige Maschine mit ihren Manualen, Registern und Tausenden von Pfeifen.
„Für mich war das die größte Maschine, die ich jemals gesehen hatte“, sagt er. „Da wusste ich: Das möchte ich lernen.“ Dass aus diesem Wunsch einmal eine internationale Karriere werden würde, konnte damals niemand ahnen.
Heute konzertiert Felix Hell rund um den Globus. Er war im Lincoln Center in New York zu Gast, spielte an berühmten Instrumenten in Europa, Asien und Nordamerika und zählt zu den gefragtesten Konzertorganisten seiner Generation. Wer seinen Terminkalender sieht, könnte vermuten, einem Star zu begegnen, der vor allem über Auszeichnungen und Erfolge spricht.
Tatsächlich spricht er lieber über den kleinen Jungen im Speyerer Dom. Vielleicht deshalb, weil er weiß, dass viele Menschen heute ähnlich denken wie er damals. Für manche klingt ein Orgelkonzert nach schwerer Kost oder nach Musik für ein Fachpublikum. Genau dieses Bild möchte er verändern. „Wenn Besucher nach Hause gehen und sich ausgeschlossen gefühlt haben, dann haben wir als Künstler etwas falsch gemacht“, sagt er. Musik müsse Menschen einladen – nicht beeindrucken.
Genau das macht den Reiz seines Konzerts in Werne aus. Wer am 27. September in die St.-Christophorus-Kirche kommt, erlebt nicht nur einen international renommierten Organisten. Er erlebt jemanden, der die Begeisterung für sein Instrument bis heute nicht verloren hat und der sie gerne weitergibt.
Die Schirmherrschaft für dieses Konzert übernimmt Bürgermeister Lars Hübchen, denn das ein Künstler dieses Formats in Werne gastiert, ist keineswegs selbstverständlich. Musica Sacra Westfalica ist es gemeinsam mit dem Rotary Club Lünen-Werne gelungen, Felix Hell für ein Konzert in der Lippestadt zu gewinnen. Für beide Partner ist das mehr als ein kultureller Höhepunkt. Es ist auch ein Zeichen dafür, dass außergewöhnliche Konzerte nicht nur in den großen Musikmetropolen stattfinden müssen.
Zum Schluss des Gesprächs sagt Felix Hell einen Satz, der fast wie eine persönliche Einladung klingt: „Geben Sie mir einen Abend – und Sie werden die Orgel danach mit anderen Ohren hören.“ Nach seiner eigenen Geschichte fällt es schwer, daran zu zweifeln.





















