Werne. Im Großen Konzertsolo von Franz Liszt führte Alexandra Kaptein noch einmal alles zusammen: glasklare Prägnanz, mit effektvoller Langsamkeit gepaarte Virtuosität, selbstbewusste Akkorde und Leidenschaft.
Mehr als 150 Konzertbesucher lauschten der jungen Pianistin im Foyer der Marga-Spiegel-Schule mit lautloser Aufmerksamkeit. Am Ende erklang anhaltender Beifall für den Auftakt zur Kammerkonzertreihe 2026/2027 der Musikfreunde Werne (17. September 2026).
Romantische Szenen standen auf dem Programm, durch das Alexandra Kaptein selbst führte. Sie stimmte mit einer sehr atmosphärischen Komposition auf den Abend ein: „Les jeux d’eaux à la Villa d’Este“. Die Effekte dieser Wasserspiele habe Liszt (1811–1886) in Musik übersetzt, erklärte die Pianistin, wobei die spirituelle Symbolik für Wasser als Quell des Lebens durchschimmere. Und tatsächlich, unter ihren Fingern plätscherten und tröpfelten akzentuierte Töne über einem sacht fließenden Rhythmus. Auf einem behutsamen Piano ließ Kaptein ein Crescendo anschwellen und verrinnen. Wie aus einer neuen Quelle stürzten im nächsten Moment wuchtige Kaskaden herab. Dazwischen lautmalte sie feine Tontröpfchen, die wie von Zweigen herabrieselten.
Eine Fülle von Emotionen spiegelt die „Wandererfantasie Op. 15“ von Franz Schubert (1797–1828). Ihr liegt das Gedicht „Fremdlings Abendlied“ von Georg Philipp Schmidt von Lübeck zugrunde. Kaptein zitierte daraus die letzte Strophe, um auf die schwermütige, sehnsüchtige Tonalität der Musik vorzubereiten: „Da, wo du nicht bist, blüht das Glück!“ Mit selbstbewusster orchestraler Fülle interpretierte Kaptein die große Welt, angesichts der sich der Wanderer unbedeutend vorkommt. Das markierte die Pianistin mit sanfter Linienführung gegenüber forschen Anschlägen. Mit aufwühlender Langsamkeit legte sich die Schwermut des zweiten Satzes aufs Gemüt. So wie Kaptein spielte, konnte man sich der Melancholie des Wanderers nicht entziehen, der an nichts mehr Freude findet. Vordergründig fröhlich klang das Scherzo, doch auch hier zeichneten sich dunkle Momente und nervöse Unruhe ab. Das rasante Finale intonierte Kaptein bis zum Schluss fein durchhörbar.

Es blieb spannend. In seiner „Ballade Nr. 2“ schöpfte Liszt aus dem Vollen der griechischen Mythologie. Alexandra Kaptein umriss die Sage von Hero und Leander kurz. Eine Meerenge trennt die Liebenden. Sie leuchtet ihm jede Nacht von einem Turm, während er durch die Wellen zu ihr schwimmt. Bis ein Sturm eines Nachts Heros Fackel löscht. Leander ertrinkt, sie stürzt sich aus Trauer ins Meer. Die Wellen ließ Kaptein sodann mit dumpfen Klängen heranrollen. Wie ein zögernder Liebhaber näherten sich lichte Töne. Blumige Noten stiegen empor.
Doch bevor sie sich entfalten konnten, drohte die nächste Welle – bis sich die klanglichen Wogen unaufhaltsam auftürmten. Anders als die Sage schenkte Liszt dem Liebespaar und den Zuhörenden ein versöhnliches Ende: ein innig-triumphierendes Wiedersehen nach dem Tod, von Kaptein mit passendem cineastischem Duktus inszeniert.
Das nächste Konzert:
Anima Quintett – Kulturelle Vielfalt trifft Klangrausch, 15. Oktober 2026, 20 Uhr, Foyer der Marga-Spiegel-Sekundarschule. Das vollständige Programm der Konzertsaison 2026/2027 der Gesellschaft der Musikfreunde Werne finden Sie hier: https://www.musikfreunde-werne.de/konzertsaison-2026-2027/




















