Dienstag, Juni 18, 2024

„Die Jugendhilfe muss sich den Aufgaben stellen, die kommen“

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Werne. Uwe Schenk, langjähriger Geschäftsführer der Jugendhilfe Werne, ist in den Ruhestand gewechselt. Im zweiten Teil des Interviews berichtet er weiter über seine Arbeit und was er nun mit seiner größer gewordenen Freizeit anstellt. Hier geht es zum ersten Teil des Gesprächs.

Die Jugendhilfe wächst und ist schon seit vielen Jahren auch jenseits der Stadtgrenzen in verschiedensten Bereichen tätig. Warum dieser Expansionskurs?

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Dafür gibt es zwei Gründe. Der eine ist, dass für eine stabile Organisation eine bestimmte wirtschaftliche Größe erforderlich ist. Als wir nur vier Gruppen hatten, waren fünf freie Heimplätze für uns schon eine existenzielle Frage. Eine breit aufgestellte Einrichtung ist natürlich viel stabiler. Und es gibt viel mehr Synergieeffekte. Der andere Grund ist der Inhaltliche. Es gibt viel zu tun. Wir sind in den meisten Fällen nur aktiv geworden, wenn Gefahr für das Kindeswohl bestand. Heute tun wir mehr und sind in vielen Bereichen präventiv tätig.

Kinderheim, Wohngruppen, Schulsozialarbeit, offene Ganztagsschulen, Beratungsangebote, Streetworker, Jugendzentren und, und, und. Sie beschäftigen inzwischen rund 500 Mitarbeiter an unzähligen Standorten. Wie behält man da den Überblick?

Wie in anderen Unternehmen dieser Größenordnung gibt es eine interne Struktur. Es gibt eine Aufgabenverteilung und es gibt für die einzelnen Segmente Bereichsleiter, die aufgrund unserer Organisationsphilosophie relativ selbständig arbeiten. Ich muss gestehen, dass ich – vor allen in den letzten Jahren – manche Angebote gar nicht mehr persönlich erlebt habe. Aber der Überblick wurde durch die Struktur geschaffen und ich habe das Glück gehabt, eine tolle Leitungsmannschaft zu haben, auf die ich mich hundertprozentig verlassen konnte. So konnte ich mich um übergeordnete Themen kümmern.

Die Leitung eines solchen Unternehmens erfordert ein gutes (auch kaufmännisches) Management. Sie sind Pädagoge. Welchen Anteil hatte zuletzt die pädagogische Arbeit in Ihrem Alltag?

Als ich Leiter des Kinderheims geworden bin, gab es tatsächlich die Notwendigkeit, dass ich mich in die wirtschaftlichen Themen neu einarbeite. Am Anfang war meine Buchhalterin die einzige Quelle, von der ich profitieren konnte. Ich habe mich dann fortgebildet und im Laufe der Zeit Assistenten eingestellt, die mir zugearbeitet haben. Ich bin der festen Überzeugung, dass es sinnvoll ist, dass die Leitung eines solchen Unternehmens tatsächlich durch einen Pädagogen erfolgt und die Wirtschaftlichkeit die Methode ist.

In dem Sinne war mein pädagogischer Anteil das Gesamtziel, also zu sagen: Wir wollen den Kindern helfen. Wir wollen die Familien unterstützen. Wir wollen Angebote für Jugendliche machen. Das ist das Ziel, und nicht Geld verdienen. Alles, was wir erreicht haben, war aber vor allem immer der Verdienst einer tollen Teamleistung.

Am letzten Arbeitstag hatte Schenk bei einem von den Kollegen organisierten Staffellauf viele Aufgaben zu erledigen. Treff- und zielsicher zeigte er sich beim Umgang mit dem Crocketschläger. Foto: Volkmer

Sie haben gemeinsam mit der Stadt Werne das Familiennetz gegründet, das seinen Standort auf dem Gelände der Jugendhilfe am Fürstenhof hat. Und Sie betreiben verschiedene städtische Einrichtungen wie zum Beispiel die Jugendzentren, Schulsozialarbeit oder offene Ganztagsschulen. Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit mit der Stadt?

Grundsätzlich ist es eine sehr gute Zusammenarbeit, die dadurch geprägt ist, dass wir eine große Jugendhilfe-Einrichtung sind, die in einer kleinen Stadt agiert. Das ist eine ungewöhnliche Konstellation. Wir haben dadurch die Möglichkeit, uns für die Stadt zu engagieren und Angebote zu übernehmen. Nichtsdestotrotz ist es aber auch ein Verhältnis von öffentlicher Träger und freier Träger. Besonders fruchtbare Jahre waren während der Zusammenarbeit mit der früheren Jugenddezernentin Elke Kappen, als wir gemeinsam das Familiennetz Werne gegründet haben.

Wie soll sich die Jugendhilfe weiterentwickeln?

Die Jugendhilfe soll auf jeden Fall nicht in dem Status verharren, in dem ich sie hinterlasse. Sie muss sich weiterentwickeln und den Aufgaben stellen, die kommen. Sie wird in einigen Jahren ganz anders aussehen, und das ist richtig.

Wie ist Ihre Nachfolge geregelt?

Es wird nach mir zwei Geschäftsführer geben. Wir haben schon vor zwei Jahren mit Katharina Böckenholt eine Verwaltungsleitung eingestellt. Sie ist Kauffrau und wird gemeinsam mit meinem jetzigen Stellvertreter und Prokuristen Thomas Kißmann, der Diplom-Pädagoge ist, die Jugendhilfe leiten.

Welche Pläne hat der Rentner Uwe Schenk? Ihre Leidenschaft ist die Zauberei und Sie sind Gründer der Stiftung Zauberkunst. Werden sie sich auf diesem Gebiet noch stärker engagieren?

Ein Teil meiner Zeit wird meiner Familie gehören, den Enkelkindern und Kindern. Auch mit meiner Frau möchte ich viel unternehmen. Aber ich werde nicht aufhören, zu arbeiten, und zwar tatsächlich in der Stiftung Zauberkunst, die ich weiterentwickeln möchte. Und ich werde auch selbst wieder zaubern, ich habe bereits angefangen.

Kommt auch eine ehrenamtliche Aufgabe infrage? Zum Beispiel in der Kommunalpolitik. Es wird gemunkelt, dass Sie bei den Grünen mitarbeiten möchten.

Ich habe tatsächlich mal damit geliebäugelt, mich politisch zu engagieren. Aber während meiner beruflichen Tätigkeit war ich stets neutral und ich habe mich dazu entschlossen, dass dies so bleibt. Ich bin aber Mitglied des Jugendhilfeausschusses und möchte das auch bleiben. Aber nicht als Kommunalpolitiker.

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