Dienstag, April 16, 2024

Druckfrischer Forschungsstand zum Stift Cappenberg

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Cappenberg. Wie man ihn auch dreht und wendet: Der Cappenberger Kopf, eines der bedeutendsten Kleinkunstwerke aus dem Mittelalter – war wohl nie ein Geschenk Kaiser Friedrichs I. Barbarossas. Was sich im Rahmen einer wissenschaftlichen Tagung im Herbst 2019 bereits abzeichnete, hat eine materialkritische Untersuchung erhärtet: Bei dem sogenannten Barbarossa-Kopf hat es sich mit höchster Wahrscheinlichkeit immer um ein Johannes-Reliquiar gehandelt.

Die Ergebnisse dieser Analyse sowie die Tagungsreferate von Historikern, Kunsthistorikern und Archäologen können jetzt im druckfrisch erschienenen Band „Cappenberg – der Kopf, das Kloster und seine Stifter“ nachgelesen werden. „Die Geschichte der Büste muss nun vor dem Hintergrund der klösterlichen Erneuerungsbewegung im 12. Jahrhundert gelesen werden“, sagte der Historiker Knut Görich, Professor für mittelalterliche Geschichte an der Universität München und Herausgeber des Tagungsbandes. So habe die Büste die Jahrhunderte überdauert, weil sie den Cappenberger Prämonstratensern als Behältnis für Reliquien wichtig gewesen sei.

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Mit dem Tagungsband liegt rechtzeitig zum Jubiläumsjahr 2022 der neueste Forschungsstand zum Cappenberger Kopf, zum Prämonstratenserstift Cappenberg und seiner Gründer, der Grafen Gottfried und Otto, vor. Gefeiert wird dieses Jahr zum einen der 900. Jahrestag der Gründung des Prämonstratenserstifts sowie der Geburtstag Kaiser Friedrichs I. Im September würdigt der LWL diese Ereignisse mit einer großen Ausstellung auf Schloss Cappenberg.

Im Anschluss an die Buchvorstellung diskutierten Wissenschaftler und Lokalpolitiker über „Bürgerschaftliches Engagement im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft, Heimat, Kultur“. Es moderierte der ehemalige Landrat des Kreises Unna, Michael Makiolla (3. v. links). Foto: Schwarze

„Wäre der Rotary Club Selm Kaiser Barbarossa nicht so hartnäckig gewesen, hätte das alles wohl in Münster stattgefunden“, sagte Marco Morten Pufke, Mitglied der Landschaftsversammlung des LWL. Die Rotarier in Selm hatten sich auf die Fahnen geschrieben, die Bedeutung des Ortsteils Cappenbergs für die Stadt und für die gesamte Region stärker im öffentlichen Bewusstsein zu verankern. Ausgehend von einer Vortragsreihe zu Themen der Stauferzeit knüpften sie deutschlandweit Kontakte zu Fachleuten und initiierten besagte Tagung. „Und haben mit ihrem Engagement dazu beigetragen, dass die Geschichte des Kopfes neu erzählt wird“, sagte Görich.

Dabei nahmen die Selmer Rotarier einen schmerzlichen Einschnitt in Kauf – führen sie doch den Namen des Stauferkaisers im Bewusstsein, bei der Büste habe es sich um ein Geschenk desselben gehandelt. „Trotzdem haben wir mit dem Kopf hier in Cappenberg ein Kunstwerk, das seinesgleichen sucht“, betonte Hanneliese Palm, die derzeitige Präsidentin des Rotary Clubs Selm.

Cappenberg – der Kopf, das Kloster und seine Stifter, hg. von Knut Görich, gebunden, 448 Seiten mit zahlreichen Abbildungen, erschienen bei Schnell & Steiner 2022, 50 Euro, ISBN: 978-3-7954-3612-4

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