Freitag, April 12, 2024

Wiedereröffnung von Schloss Cappenberg mit zwei Ausstellungen

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Cappenberg. Seite an Seite mit dem Freiherrn vom Stein zu arbeiten: Das ermöglicht die neu konzipierte Dauerausstellung des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) auf Schloss Cappenberg.

Mit Wiedereröffnung der Museumsräume nach sechsjähriger Renovierung kann das modernisierte Konzept ab Freitag (8. April 2022) besichtigt werden. Gleichzeitig präsentiert der Kreis Unna seine erste Wechselausstellung nach der Umbauphase – Gemälde des mit Cappenberg eng verbundenen Malers und Grafikers Heinrich Graf Luckner.

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In den unteren Räumen des Museumsbereichs zeigt der Kreis Unna seine Ausstellung, die oberen Räume bleiben der Dauerausstellung vorbehalten. Bereits auf der Treppe werden die Besucher vom Kammerdiener des Freiherren abgeholt – per Audioguide. „Wir wollten Geschichte interessant erzählen und zwar aus verschiedenen Perspektiven“, erklärte Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger, Kulturdezernentin des LWL. So kommt neben dem Diener auch ein Dienstmädchen zu Wort und plaudert aus dem Umfeld ihres Arbeitgebers. Auf lange Objektbeschriftungen wurde zugunsten des gesprochenen Wortes verzichtet.

Dr. Gerd Dethlefs und Dr. Hermann Arnhold betrachten Steins Schreibtisch. Foto: Dr. Anke Schwarze

Mobiliar aus dem Barock und dem Biedermeier versetzen die Besucher zurück in die Zeit Heinrichs vom und zum Stein (1757–1831). Direkt neben dem neogotischen Sekretär des Freiherrn steht die moderne Version eines Schreibtisches. Besucher können dort Platz nehmen, die unter Glas liegenden historischen Dokumente betrachten und sich vom Audioguide über die Arbeitsweise des preußischen Reformpolitikers informieren lassen.

„Stein wollte Untertanen zu Bürgern mit mehr Eigenverantwortung machen“, sagte der Ausstellungskurator Dr. Gerd Dethlefs vom LWL-Museum in Münster. Auf Steins Konto ging unter anderem die Befreiung der Bauern aus grundherrschaftlicher Abhängigkeit. Der Freiherr stammte nicht aus Westfalen, sondern aus Nassau. Cappenberg wählte er zu seinem Altersruhesitz, nachdem das dortige Prämonstratenserkloster im Zuge der Säkularisation 1803 aufgelöst worden war. Seine Lebensgeschichte wird damit an einem authentischen Ort erfahrbar.

Graf Kanitz würdigte den Maler Heinrich Graf Luckner als Freund der Familie. Foto: Dr. Anke Schwarze

Ein direkter Nachfahren des Freiherrn ist der heutige Besitzer des Schlosses, Sebastian Graf Kanitz. Er würdigte jenen Mann als engen Freund seiner Familie, der im Mittelpunkt der zweiten Ausstellung steht: Heinrich Graf Luckner (1891–1970). Herzstück dieser Schau des Kreises Unna ist ein Raum mit Fresken des Malers: einem Jahreszeitenzyklus, gemalt in einem kantigen Stil, inspiriert von der geometrischen Kunst des Art déco. Luckner war nach dem Krieg bekannt für seine Porträts von Künstlern und Politikern wie Theodor Heuss. „Das sind Bildnisse, die heute noch im Abgeordnetenhaus in Berlin hängen“, sagt Arne Reimann. Er konzipierte die Ausstellung zusammen mit Wilko Austermann.

Arne Reimann_Kurator der Luckner-Ausstellung. Foto: Dr. Anke Schwarze

Die beiden Kuratoren haben erstmals seit Jahrzehnten wieder einen umfassende Überblick über Luckners Gesamtwerk zusammengetragen. In sechs Räumen können die Besucher dessen künstlerische Entwicklung nachvollziehen. Da gibt es düstere Bilder aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs wie das Doppelbildnis „Die letzte Kartoffel“. Es zeigt Luckner und seine Frau in müder Zweisamkeit vor einer einzigen Knolle. Diverse Grauschattierungen überziehen den schlichten Hintergrund, die Kleidung und sogar die Gesichter.

Diese hat Luckner so weit verwischt, dass kaum individuelle Züge auszumachen sind. Eingesunkenen Schultern, Blicke ins Leere und ein resigniert aufgestützter Kopf heben die beiden Menschen in eine überzeitliche Kritik am Krieg. Farbenfroher wird es in jenen Räumen, die den Nachkriegsporträts vorbehalten sind. So leben die Bildnisse von Luckners Patentochter Vera von Kanitz oder der Tänzerin Mary Wigman vom Kontrast gut erkennbarer Gesichtszüge und abstrakten Strukturen im Hintergrund.

Landrat Mario Löhr und Stefanie Kettler vom Kreis Unna. Foto: Dr. Anke Schwarze

Die Wechselausstellung des Kreises Unna ist bis zum 7. August 2022 auf Schloss Cappenberg zu sehen. Ab September wird in Cappenberg eine LWL-Ausstellung zum 900. Geburtstag Kaiser Barbarossas gezeigt.

Weitere Informationen gibt es hier:

Museum Schloss Cappenberg
Schlossberg 1b
59379 Selm
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr

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