Hühnerhof-Entwicklung contra Leerstände – Kontroverse im Rat

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Werne. Aus dem sogenannten Hühnerhof am Busbahnhof soll ein attraktives Stück Innenstadt werden. Die letzte freie Fläche im Stadtkern, die 2022 von der Stadt Werne gekauft wurde, hat großes Entwicklungspotenzial, ist man bei Stadtplanung und Wirtschaftsförderung überzeugt. Mit einem schlüssigen, realisierbaren Konzept als Grundlage für potenzielle Investoren soll die Fläche dann vermarktet werden.

Darum ging es am Mittwoch, 4. Dezember 2024, in der Ratssitzung, die diesmal in der Mensa Anne-Frank-Gymnasiums stattfand. In der Sache schieden sich allerdings die Geister, woran auch die vorweihnachtliche Atmosphäre dort nichts ändern konnte. Um die Weiterentwicklung voranzubringen, war eine Grundlagenentscheidung der Politik notwendig, die schließlich mehrheitlich beschlossen wurde.

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„Wir haben richtig Gas gegeben für die Fläche“, verwies Wirtschaftsförderer Matthias Stiller unter anderem auf eingeholte Gutachten zu Standort und Klima sowie die erfolgreich durchgeführte Online-Bürgerbefragung zum Thema. Gastronomie wie das „Extrablatt“, ein Treff ohne Verzehrzwang, kulturelle Angebote und ein öffentlich nutzbarer Grünbereich wurden dort genannt.

Derweil wurden die Planungen weiter konkretisiert und ein Eckpunktepapier entstellt. Angedacht ist demnach eine dreigeschossige Bebauung plus Staffelgeschoss, Gastronomie, ein städtischer Platz zum Treffen und Verweilen, aber auch multifunktionale Nutzungen wie Büro- und Eventflächen. Gesetzt ist danach auch der Erhalt des vorhandenen alten Baumbestandes.

CDU-Fraktion: Zuerst exorbitanten Leerstand füllen

Uta Leisentritt (CDU) trat indes auf die Bremse. Grundsätzlich sei man dafür gewesen, sagte sie, sah die Situation in der Bonenstraße mit Blick auf viele Leerstände aber gänzlich verändert. Von Frankemöller bis Leenders sei diese inzwischen komplett leer, mahnte sie angesichts der Leerstände in den beiden ehemaligen Kroes-Gebäuden, Schreibwaren Adam, und zum Jahresende eben auch bevorstehende Schließung von Leenders. „Das ist ein exorbitanter Leerstand, der zuerst gefüllt werden muss“, sprach sie sich vorerst gegen die Weiterentwicklung am Hühnerhof aus. Man wolle die Fläche entwickeln, aber unter anderen Voraussetzungen.

Schließlich habe sich auch die Ansiedlung von Bücher Beckmann und Stadtmarketing im ehemaligen Herrenmodegeschäft zerschlagen. Wenn ein Investor komme, könne man dessen Pläne vorstellen und beraten, so die CDU-Fraktionsvorsitzende sinngenäß. Auch wandte sie sich gegen die fünfgeschossige Bebauung mit einem „Betonklotz“ aus dem Eckpunktepapier von NRW Urban.

Dr. Thomas Gremme (UWW) sah die Entwicklung der Fläche positiv und fragte nach der Zeitschiene. Bis Anfang 2026 solle ein gutes Konzept stehen. Hierfür sei ein neuer Bebauungsplan notwendig, begonnen werden könne ungefähr 2028, antwortete Lothar Christ.

Für die Grünen ergriff Klaus Schlüter das Wort. Er habe sich im Fachausschuss bei der Vorstellung des Eckpunktepapiers gegen die dort vorgeschlagene fünfgeschossige Bebauung positioniert. „Das war ein lustloser Entwurf, darin hat sich die Bürgerbeteiligung nicht wiedergefunden“, hieß es. Grundsätzlich sei man aber in „keinster Weise“ gegen die Entwicklung, man müsse sich aber an der Bürgerbeteiligung entlang hangeln, betonte er.

Claudia Lange (FDP) bekannte, bei den Liberalen sehe man das Problem mit der Bonenstraße ebenfalls und habe sich ebenfalls an den Bebauungsvorschlag gestört. Dennoch handle es sich um ein wichtiges Stück der Stadt, man müsse die Bürger mitnehmen, argumentierte sie.

Lothar Christ: „Die Stadt braucht Impulse“

Dass Leenders schließe, sei keine Überraschung, Verkaufsversuche gebe es sei seit zwei Jahren, wandte Ulrich Höltmann (SPD) ein. Um die Leerstände werde sich gekümmert, es sei allerdings auch nicht einfach. Stadtmarketing und Wirtschaftsförderung beschäftigten sich damit und führten Gespräche mit den Eigentümern. Die Entwicklungspläne des Hühnerhofs könne die Politik begleiten. „Da haben wir Einfluss“, sagte er mit Blick auf die Arbeit des Fachausschusses.

Siegfried Scholz (SPD) ärgerte sich. „Die Kritik der CDU ist völlig überzogen und zu scharf. Wenn wir das so schlecht reden, werden wir ein gutes Projekt zerreden“, fand er.

Schließlich vermittelte der Bürgermeister. Man müsse sich von dem Entwurf von NRW Urban lösen, ordnete er ein. Die Leerstände in der Bonenstraße wiesen Defizite auf. Es gehe darum, die Innenstadt zu beleben. Es lohne sich, in die Stadt zu investieren, man brauche Impulse. Das Heft des Handelns behalte man bei der Weiterentwicklung in der Hand.

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