„Balance zwischen Wirtschaftlichkeit und Erreichbarkeit“: VKU bezieht Stellung zum Fahrplanwechsel

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Werne/Kreis Unna. Die anstehenden Veränderungen des ÖPNV-Angebots im Kreis Unna werden in Werne diskutiert und kritisiert – vor allem vor dem Hintergrund, dass zwischen Lünen, Werne und Hamm zahlreiche Haltestellen nicht mehr bedient werden.

Die Pressestelle der Verkehrsgesellschaft Kreis Unna (VKU) hat jetzt zu den Fragen der WERNEplus-Redaktion Stellung bezogen.

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Wie steht die VKU zum neuen Nahverkehrsplan?

Der neue Nahverkehrsplan wurde vom Kreistag mit großer Mehrheit beschlossen. Dem Beschluss ging ein umfassender Abstimmungsprozess mit den zehn Städten und Gemeinden im Kreisgebiet voraus. Der Plan beinhaltet zahlreiche Verbesserungen und eine deutliche Leistungsverstärkung im Angebot. Da es sich um einen vollständig neuen Plan handelt, sind zu Beginn individuelle Umstellungen für Fahrgäste unvermeidbar. Wir haben Verständnis dafür, dass diese Veränderungen auch zu Kritik führen können. Mit dem Start des neuen Nahverkehrsplans beginnt die Umsetzungsphase. In diesem Rahmen prüfen wir Anregungen und nehmen – wo fachlich sinnvoll und betrieblich möglich – gezielte Nachsteuerungen vor. Eine grundlegende Überarbeitung des Netzes ist damit jedoch nicht verbunden.

Wie bewertet die VKU die Kritik, dass ländliche Bereiche wie Langern, Horst oder Teile von Stockum künftig schlechter angebunden werden?

Zu dem angesprochenen Bereich in Stockum ist festzuhalten, dass auch künftig eine ÖPNV-Anbindung bestehen bleibt. Allerdings verändern sich in einzelnen Bereichen die Taktung und/oder die Haltestellenabstände. Gleichzeitig besteht insbesondere auf stärker nachgefragten Achsen der Bedarf nach dichteren Takten, stabileren Fahrzeiten und schnelleren Verbindungen. Grundsätzlich war es Ziel der Netzreform, das Angebot insgesamt leistungsfähiger und verlässlicher zu gestalten. Dabei mussten unterschiedliche Anforderungen – insbesondere zwischen Flächenerschließung und Angebotsqualität – gegeneinander abgewogen werden.

Wie stehen Sie zu dem Vorwurf, vor allem ältere Menschen wären von deutlich längeren Wegen zur nächsten Haltestelle betroffen, gerade Menschen, die zwischen zwei Haltestellen wohnen, die nun deutlich voneinander entfernt sind?

Die Kritik, ältere Menschen könnten von längeren Wegen zu Haltestellen betroffen sein, nehmen wir ausdrücklich ernst. Uns ist bewusst, dass gerade für mobilitätseingeschränkte Personen auch wenige hundert Meter mehr im Alltag eine erhebliche Veränderung darstellen können. Deshalb wurde bei der Planung versucht, eine Balance zwischen Erreichbarkeit und Wirtschaftlichkeit zu finden. Vollständig ausschließen lassen sich Veränderungen bei Wegebeziehungen in einem neu strukturierten Netz jedoch nicht.

Wie viele Fahrgäste waren nach VKU-Daten zuletzt an den nun entfallenden Haltestellen unterwegs?

Zu den entfallenden Haltestellen zwischen Lünen und Werne zeigte sich in vielen Fällen eine vergleichsweise geringe Nachfrage. Gleichwohl ist uns bewusst, dass eine niedrige Haltestellen-Nachfrage insbesondere im ländlichen Raum nicht automatisch bedeutet, dass ein Angebot für die betroffenen Menschen unwichtig ist. Gerade dort erfüllen Haltestellen häufig eine wichtige Funktion für die alltägliche Mobilität. Deshalb wurde jede einzelne Veränderung sorgfältig geprüft und unter Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten abgewogen. Die angesprochenen Hinweise der Stadt Werne aus dem Jahr 2024 sind in den Planungsprozess eingeflossen. Für Verkehrsplanungen werden grundsätzlich unterschiedliche Datenquellen herangezogen, darunter Zensusdaten, Mobilitätsbefragungen, Fahrgastzählungen sowie betriebliche Erfahrungswerte. Dabei ist uns bewusst, dass einzelne Datengrundlagen nicht immer tagesaktuell sind. Ergänzend wurden jedoch aktuelle Entwicklungen und lokale Hinweise berücksichtigt.

Welche Auswirkungen erwartet die VKU auf Schülerinnen und Schüler?

Für Schülerinnen und Schüler bleibt die Erreichbarkeit der Schulstandorte ein zentrales Kriterium. Die Schulverkehre wurden bei der Planung ausdrücklich mit einbezogen. Die Taktlinien, die in den Änderungsprozess einbezogen wurden, unterlagen einer gesonderten Prüfung hinsichtlich der weiteren Erreichbarkeit der lokalen Schulstandorte.

Ein Beispiel hierfür ist die neu eingerichtete Linie 101, die gezielt geschaffen wurde, um Schülerinnen und Schüler aus den Bereichen Langern und Lenklar in Richtung Lünen zu befördern und dort die Anbindung an die Schulstandorte sicherzustellen.

Gleichwohl kann es in einzelnen Fällen zu veränderten Wegeführungen oder zusätzlichen Umstiegen kommen. Die praktische Umsetzung nach Einführung des neuen Netzes wird daher eng begleitet und ausgewertet.

Soll es nach Einführung des neuen Netzes eine Evaluation geben und sind bei Problemen Nachbesserungen möglich?

Nach Einführung des neuen Busnetzes ist eine Evaluation vorgesehen. Dazu gehören die Auswertung von Fahrgastzahlen, Rückmeldungen aus der Bevölkerung sowie betriebliche Erfahrungen. Sollte sich zeigen, dass in einzelnen Bereichen Anpassungsbedarf besteht, sind Nachbesserungen grundsätzlich möglich. Netzreformen sind keine statischen Systeme, sondern müssen sich in der Praxis bewähren und gegebenenfalls weiterentwickelt werden.

INFO

Die VKU weist darauf hin, dass Fahrgästen verschiedene Kontakte für Fragen zum neuen Nahverkehrsplan zur Verfügung stehen. Es besteht die Möglichkeit, den VKU Service in Kamen und Lünen vor Ort aufzusuchen, eine extra eingerichtete telefonische Hotline bietet persönliche Auskünfte, und über das Feedback-Formular können Hinweise, Anregungen oder Kritik jederzeit eingereicht werden. Alle Rückmeldungen fließen in die Gesamtbewertung ein und unterstützen die Weiterentwicklung des Nahverkehrs im Kreis Unna.

Telefonische Hotline: 0 230 7 – 940 322 2 (Anruf zum Ortstarif)

Feedback‑Formular: Das Verfahren ist auswertungsorientiert; eine persönliche Rückmeldung erfolgt nicht. Link: https://forms.cloud.microsoft/pages/responsepage.aspx?id=_HZvbW6hDkCLmvDyY8Kck_dw01E1OWZEkgrV-8-1f0VUODczS0MzSUxMWUVTSVAxQk9WSVo2UUZKOS4u&origin=lprLink&route=shorturl

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