Werne. Den Strukturen und Entwicklungen der Werner Innenstadt ist die Wirtschaftsförderung auf der Spur und will mit umfangreichen Datensammlungen die Basis für eine möglichst genaue Zustandsbeschreibung des inneren Versorgungsstandortes schaffen.
Wie ist es um die Kaufkraft im Einzelhandel bestellt, wie um frequenzstarke und -schwache Tage, wie wirken sich Veranstaltungen aus und wie entwickelt sich die Zahl der Leerstände?
Antworten auf diese und weitere Fragen solle die Datensammlung bringen, begründete der Geschäftsführer der Werner Wirtschaftsförderung, Matthias Stiller, am Dienstag, 1. Juli 2026, im Ausschuss für Stadtentwicklung, Planung und Wirtschaftsförderung die akribische Datenrecherche.

Anhand objektiver Datenvergleiche ließen sich so bessere Entscheidungen zur Stadtentwicklung treffen, betonte er. Weil sich die Situation ständig verändere, seien regelmäßige Aktualisierungen angeraten. Zudem werden die Werner Daten mit allgemeinen Standortdaten zu aktuellen Entwicklungen in deutschen Städten abgeglichen.
Leerstände: Kleinteilige Läden brechen weg
Im Werner Einzelhandel seien in den vergangenen Jahren erkennbar viele kleinteilige Läden weggebrochen. „Viele Einzelhandelsbetriebe sind weg, das sind bittere Zahlen“, bestätigte Stiller den somit auch in Werne erkennbaren deutschlandweiten Trend in seiner Präsentation.
Gleichwohl gebe es immer wieder auch Anfragen von Ladenbetreibern, die an einem Geschäftslokal in der Stadt interessiert seien. Derzeit werde die Leerstandsquote überarbeitet, da die Definition „Ladenlokal“ für eine bessere Vergleichbarkeit neu zugeordnet werde.
Kaufkraft-Gefälle im Einzelhandel
Wenn es um die Kaufkraft im Einzelhandel geht, reiht sich die Stadt Werne mit 8.125 Euro in den Kreis der nördlichen Nachbarkommunen Ascheberg, Senden, Münster und Sendenhorst mit sehr ähnlichen Werten ein. Etwas besser ist die Kaufkraft in Nordkirchen, Lüdinghausen und in der Spitze in Drensteinfurt mit 8.682 Euro. In Lünen (6.894 Euro) und Bergkamen (6.835 Euro) dagegen fällt die Kaufkraft ab. Ahlen, Hamm, Bönen, Werl und Dortmund zeigen Werte zwischen 7.035 und 7.400 Euro.
Zahl der Einzelhandelsbetriebe und Verkaufsflächen schrumpfen
Mit einem Flächenverlust von 23 Prozent und einem Betriebsverlust von 38,8 Prozent hat sich die Anzahl der Einzelhandelsbetrieb in den vergangenen 20 Jahren stark verändert. 2006 gab es 120 Einzelhandelsbetriebe in der Innenstadt, 2014 waren es 106 und 2023 noch 81. In den Jahren 2025 sank deren Zahl auf 76 und 2026 schließlich auf 74. Speziell im Bereich Bekleidung sei der Rückgang zwischen 2015 und 2026 doch sehr deutlich. Hier gab es 2025 nur noch elf Geschäfte mit geringer Verkaufsfläche, so Stiller im Ausschuss.

Frequenzmessungen in der Steinstraße
Ein Laserscanner an der Fassade der Parfümerie Pieper misst anonymisiert seit Januar 2026 wieviele Passanten und in welcher Laufrichtung dort unterwegs sind. Unterschieden wurde nach Wochen-, Monats- und Jahresverlauf sowie nach Frequenz bei Veranstaltungen. Partner ist das Unternehmen „hystreet.com GmbH“.
Die Woche von Pfingstmontag (25.05.) bis Sonntag (31.05.) wurden mit 31.575 Passanten die durchschnittliche Frequenz von 27.152 überschritten. Wernes Frequenzbringer sind demnach die Wochenmarkttage, hingegen fällt der Samstag unterdurchschnittlich aus.
Im Monat Mai mit mehreren Veranstaltungen (Maikirmes, Streetfood, Maimarkt) lag mit 153.645 Passanten deutlich über dem Durchschnitt von 119.857. Dank der Messungen lasse sich der Erfolg von Veranstaltungen besser beurteilen, hieß es.

Bei den Zahlen im Jahresverlauf wurden in den Monaten März und Mai mit 144.371 und 153.645 Passanten im Mai die meisten Personen gezählt. „Spannend wird vor allem die langfristige Vergleichsmöglichkeit sein, um ablesen zu können, ob Maßnahmen gefruchtet haben“, hofft man bei der Wirtschaftsförderung auf aussagekräftige Ergebnisse. Die Vergleichbarkeit solle beispielsweise nach Eröffnung der Surfworld zeigen, welche Effekte erzielt werden oder auch ausbleiben.
Passantenbefragung 2026
„Wer Zentren zukunftsfähig gestalten will, braucht belastbare Antworten! Ein Bauchgefühl allein reicht heute nicht mehr“, heißt es in der Präsentation. Aufschluss geben soll eine Passantenbefragung, wie die Innenstadt wahrgenommen werde und welches „Informations-, Verkehrs-, Besuchs- und Einkaufsverhalten“, die Bürgerinnen haben.
Im Herbst werde eine Bewertung folgen. Unterm Strich sollen die Datensammlungen Ergebnisse bieten, die bei der Entwicklung einer Innenstadtstrategie hilfreich seien, schloss Matthias Stiller.





















