Von der Praxis lernen: BIN besucht Naturschutzprojekte in der Feldflur

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Werne. Wie kann Naturschutz gelingen, ohne Landwirtschaft und Artenvielfalt gegeneinander auszuspielen? Antworten auf diese Frage erhielten die Teilnehmer einer Exkursion der Bürgerinitiative Nordlippestraße (BIN), die Landwirt und Jäger Johannes Laurenz auf seinen Flächen führte.

„Mit ihren Exkursionen verfolgen BIN und Laurenz ein klares Ziel: Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen“, heißt es in der Medienmitteilung der BIN zur Exkursion in dieser Woche in Blasum. Natur-, Klima- und Landschaftsschutz lasse sich nach Auffassung der Bürgerinitiative nur gemeinsam gestalten – im Austausch zwischen Landwirtschaft, Jägerschaft, Naturschutz, Politik, Verwaltung und Bürgerschaft.

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Zwischen Blühstreifen, extensivem Grünland, Wildpflanzenkulturen und gepflegten Hecken wurde schnell deutlich: Viele Lösungen für mehr Artenvielfalt sind längst vorhanden. Entscheidend sei jedoch, dass diejenigen stärker gehört werden, die täglich mit der Landschaft arbeiten.

Johannes Laurenz: „Reden Sie mit uns und nicht über uns“

„Reden Sie mit uns und nicht über uns“, lautete deshalb die zentrale Botschaft von Johannes Laurenz. „Landwirte und Jäger kennen ihre Flächen oft seit Generationen. Dieses Wissen sollte genutzt werden, bevor Entscheidungen getroffen werden.“

An zahlreichen Beispielen zeigte er, wie moderner Naturschutz in einer bewirtschafteten Kulturlandschaft aussehen kann. Mehrjährige Wildpflanzenmischungen für Biogasanlagen bieten über Monate Nahrung für Insekten und Wildtiere. Extensiv bewirtschaftetes Grünland schafft Lebensräume für seltene Pflanzen, breite Blühstreifen verbinden Lebensräume miteinander und fachgerecht gepflegte Hecken fördern zahlreiche Vogel-, Insekten- und Säugetierarten.

Besonders beeindruckte die Teilnehmer eine mehrjährige Wildpflanzenmischung, die gleichzeitig einen Beitrag zur erneuerbaren Energiegewinnung leistet. Nach der Etablierungsphase benötige sie kaum Pflanzenschutz, schütze den Boden und biete Offenlandarten wie Feldhase oder Rebhuhn über viele Monate Nahrung und Deckung.

Das Biodiversitätsprojekt „UNsere NAtur im Kreis Unna“ beinhaltet Maßnahmen auf 45 Hektar und kann auf eine erfolgreiche Zwischenbilanz verweisen. Foto: privat

Mehr Dialog zwischen Landwirtschaft, Naturschutz und Kommunen

In der öffentlichen Diskussion werde der Aspekt der Ernährungssicherheit für die Bevölkerung. häufig übersehen. Angesichts der veränderten sicherheitspolitischen Lage in Europa müssten landwirtschaftliche Flächen auch künftig flexibel nutzbar bleiben.

Mehrjährige Wildpflanzenkulturen könnten so in kurzer Zeit wieder in den Anbau von Lebensmitteln überführt werden. „Wir dürfen den Aspekt der Versorgungssicherheit nicht aus den Augen verlieren“, so Laurenz. Diese Fläche zeige, welchen Wert unversiegelter Boden für Landwirtschaft, Artenvielfalt und Klimaschutz habe. „Was einmal bebaut und versiegelt ist, steht für all diese Aufgaben nicht mehr zur Verfügung“, betonte der BIN-Vorsitzende Karsten Wette.

Praxiswissen stärker nutzen

Dabei machte er deutlich, dass viele öffentliche Diskussionen von Schlagworten geprägt seien. Begriffe wie „industrielle Landwirtschaft“ würden häufig verwendet, ohne ihre tatsächliche Bedeutung zu hinterfragen. Sein Appell lautete deshalb, den direkten Austausch mit den Menschen zu suchen, die täglich Verantwortung für die Kulturlandschaft tragen.

Offen sprach Johannes Laurenz über die wirtschaftliche Situation vieler Familienbetriebe. Niedrige Erzeugerpreise, steigende Kosten und ein immer dichteres Netz an Vorschriften erschwere den Berufsalltag erheblich.

„Die Landwirtschaft funktioniert heute vielerorts nur noch mit Leidenschaft und großer Selbstaufopferung. Viele Familien arbeiten weit über das normale Maß hinaus, oft ohne sich selbst einen angemessenen Unternehmerlohn auszahlen zu können. Gleichzeitig nehme die Bürokratie immer weiter zu. Dabei würden viele Landwirte gerne noch mehr für die Biodiversität tun – wenn die Maßnahmen einfacher, praxisorientierter und verlässlicher gestaltet wären.“

Großen Raum nahm deshalb auch die sogenannte produktionsintegrierte Kompensation ein. Anders als bei klassischen Ausgleichsflächen bleiben die Äcker in Händen der Landwirte und dabei weiterhin landwirtschaftlich nutzbar. Gleichzeitig werden dauerhaft Blühstreifen, extensiv bewirtschaftete Bereiche oder andere Biodiversitätsmaßnahmen geschaffen.

BIN: Künftige Ausgleichsmaßnahmen gemeinsam planen

Künftige Ausgleichsmaßnahmen sollten frühzeitig gemeinsam mit Landwirtschaft, Naturschutz und Bürgervertretung geplant werden, regte die BIN an. „Unsere Landwirte könnten für biodiversitätsfördernde Flächen eine Vergütung erhalten. Das schafft einen Einkommensausgleich, ist für die Stadt kostengünstig und erhält zugleich landwirtschaftliche Flächen als Reserve für Krisenzeiten“, erklärte die zweite BIN-Vorsitzende Dr. Gabriele Angenendt.

Das Wissen der Menschen vor Ort könne helfen, ökologisch wirksame und gleichzeitig wirtschaftlich tragfähige Lösungen zu entwickeln. Als gelungenes Beispiel stellte Laurenz das Projekt UNsere NAtur der Kreisjägerschaft Unna vor. Gemeinsam mit Landwirten werden dort strukturreiche Lebensräume für Offenlandarten wie dem Kiebitz, dessen Bestände in Deutschland um rund 90 Prozent eingebrochen ist, geschaffen. Das Projekt freue sich über weitere Mitstreiter, die ihren Biodiversitätsabdruck verbessern oder „die hiesige Landwirtschaft unterstützen” wollten.

Den Abschluss der Exkursion bildete in Laurenz’ Maislabyrinth das gemeinsame Gespräch. Dabei entstand der gemeinsame Wunsch, den Austausch zwischen Landwirtschaft, Naturschutz, Verwaltung, Politik und Bürgerschaft künftig zu intensivieren.

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