Kriegszerstörungen in Ukraine: Trauermotette bekundet Solidarität

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Werne. „Musik ist ein Geschenk Gottes“ betitelte der Komponist Orlando di Lasso eines seiner Werke. Ein Geschenk, das auch verstören und aufrütteln kann. Beide Extreme lotete das Detmolder Vokalensemble am Sonntag (26. Februar) aus.

Auf Einladung der Stiftung Musica Sacra Westfalica gedachte der A-cappella-Chor mit geistlichen Liedern des russischen Angriffs auf die Ukraine vor einem Jahr.

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Aufwühlend erklang die Trauermotette „Wie liegt die Stadt so wüst“. Rudolf Mauersberger, Kantor des Dresdner Kreuzchores, komponierte sie im März 1945 – den Anblick der zerbombten Stadt Dresden vor Augen. „Ich glaube, es ist völlig legitim, wenn wir dafür jetzt stattdessen jede beliebige Stadt in den ukrainischen Kriegsgebieten einsetzen“, sagte der Geschäftsführer der Stiftung, Dr. Hans-Joachim Wensing, als er vor Beginn des Konzerts die etwa 100 Zuhörer in Wernes St. Christophorus-Kirche begrüßte.

Mauersberger unterlegte seiner Motette biblische Texte, in denen der Prophet Jeremias die Zerstörung Jerusalems beklagt. Ein Unbehagen schaffender Akkord des vierstimmigen Vokalensembles stimmte auf die Szenerie ein. Unter der Leitung von Andrea Schwager entfaltete sich die Musik, als würde ein Blick langsam über die Häuser schweifen und erst allmählich das Ausmaß der Verwüstung erfassen. Einwürfe in entsetztem Forte rissen aus dieser Versunkenheit. Momente eines Klageliedes wurden abgelöst von irritierenden Dissonanzen – bis hin zu eindringlichen „Warum“-Rufen.

Über die folgenden Takte schwebten Sopran- und Altstimmen, als seien sie den irdischen Dingen entrückt – bis die Männerstimmen sie zurückholten oder besser gesagt, desillusionierten. Mit differenzierter Dynamik arbeitete das Detmolder Vokalensemble die abrupten Brüche ebenso heraus wie die modulieren Übergänge. Zum Ende der Motette ließ es Töne im Nichts verschwinden.

Ein Stück, das ebenfalls auf der irritierenden Seite der Skala angesiedelt war, stammt aus der Feder des schwedischen Gegenwartskomponisten Thomas Jennefelt: „Warning to the rich“. Drastische Worte über die Vergänglichkeit von Reichtum wurden lautmalerisch umgesetzt. In ein selbstvergessenes Summen mischte sich wie von Ferne ein aggressives Zischen, abgelöst von rhythmischen Sprechchören. Ein Crescendo baute sich auf – wie eine Menschenmenge, die drohend näher kommt. So ließ der Chor das Bild einer Erhebung gegen die Reichen entstehen. Kurze sangliche Augenblicke wirkten umso provozierender, als sie gleich darauf durch schrille Einwürfe unterminiert wurden.

Wie anderes klang dagegen Orlando di Lassos „Musica Dei Donum“. Die Sängerinnen und Sänger ließen die Melodie sacht aufblühen und woben einen fein-durchsichtigen Klangteppich. Ebenso lyrisch begann die Motette „Selig sind die Toten“ von Heinrich Schütz. Die Zeile „Sie ruhen von ihren Mühen“ intonierte das Ensemble so weich, als wolle es eine Liegestatt für die Besungenen bereiten. Christliche Hoffnungen drückten sich in triumphierende Passagen aus. Bereichert wurde das Programm durch Orgelstücke zwischen den vokalen Abschnitten des Programms. Hans-Joachim Wensing hatte Werke von schlichter Anmut ausgewählt, die er nachdenklich, fast in sich gekehrt interpretierte – dem Anlass angemessen. msw

Das nächste Konzert der Stiftung Musica Sacra Westfalica findet am 26. März statt. Christoph Schoener aus Hamburg spielt Orgelwerke von Bach, Franck und Reger.

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