Dienstag, April 16, 2024

Musikalisches Abendgebet für Frieden in der Ukraine

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Werne. Wenn Worte fehlen, kann Musik helfen. Seit einem Jahr macht der Ukrainekrieg viele sprachlos. Zum Jahresgedächtnis des russischen Angriffs ließ daher die Evangelische Kirchengemeinde die Musik sprechen: Am Sonntag gestaltete das Jamulus-Quartett in der Martin-Luther-Kirche einen Evensong, eine musikalische Form des abendlichen Stundengebets, für mehr als 70 Zuhörende.

Evensongs stammen aus der anglikanischen Kirche und finden seit einiger Zeit auch in Deutschland immer mehr Anklang. „Die evangelische Kirchengemeinde will diese Tradition aufgreifen“, erklärte Pfarrer Alexander Meese den Kirchenbesuchern. Das Benefizkonzert zugunsten der Ukraine machte den Auftakt.

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Es war, dem Anlass entsprechend, ein sehr kontemplativer Prolog – mit einem A-capella-Ensemble, das zwar stimmgewaltig klingen konnte, aber die ernste Stimmung nicht übertönte. Dem entsprach die angemessene Auswahl der Stücke. Den vorgetragenen Psalmvertonungen wohnte ein nachdenklicher Grundton inne. Trotzdem versank das Konzert nicht in Schwermut. Dafür sorgte zum einen der sorgfältige, gut verständliche Textvortrag. Zum anderen funkelte hier ein lebhafter Kyrieruf, atmete dort ein Hauch barocker Leichtigkeit, erhob sich die Orgel mit prunkvoller Klangfülle.

Bei aller Trauer um die Opfer des Krieges sollte vor allem der Hoffnung auf Frieden Ausdruck verliehen werden. Das lag dem Jamulus-Quartett hörbar am Herzen. Wie die Sopranistin Dagmar Borowski-Wensing zu Beginn erklärte, sei das Ensemble „ein Kind der Coronapandemie“: vier Kirchenmusiker, die sich während der Lockdowns im Internet zu Proben verabredet hatten. Das Programm „Jamulus“ ermöglichte das gemeinsame Singen via Computer. Und zwar so gut, dass die vier ihr Projekt nach dem Abflauen der Pandemie fortsetzten und jetzt in den Dienst der Friedensinitiativen stellten. Neben Borowski-Wensing waren das ihr Mann Dr. Hans-Joachim Wensing (Tenor und Klavier), Ursula Kirchhoff (Alt) und Heiko Ittig (Bass und Orgel).

Als Leitmotiv des Evensongs hatten die Sängerinnen und Sänger eine bekannte Liedzeile gewählt: „Verleih uns Frieden gnädiglich“. Es handelt sich dabei um eine Liedstrophe, die Martin Luther als Nachdichtung eines gregorianischen Wechselgesangs aus dem 9. Jahrhundert verfasste. Ursula Kirchhof stellte zunächst den meditativen Choral vor. Dann griffen alle vier Sänger die deutschen Worte Luthers in Vertonungen von Balthasar Resinarius und Hans Leo Haßler auf. Zum Schluss klammerten Kompositionen von Hugo Distler und Felix Mendelssohn-Bartholdy über diese Zeilen das Abendgebet ein. Dazwischen luden Psalmvertonungen und die liturgisch obligaten Lobgesänge, das „Magnificat“ (als Lobgesang Mariens aus der Vesper) und das „Nunc Dimittis“ (als Lobgesang des Simeon aus der Komplet) zu Andacht und stillem Gebet ein.

Das Ensemble interpretierte ebenso feinfühlig wie eindringlich; die prägnanten Eckstimmen von Sopran und Bass wurden von der Altistin und dem Tenor harmonisch ausbalanciert. Tröstend erklang Loewes „Schaffe mir, Gott, ein reines Herz (Psalm 51)“. Geerdet von den Männerstimmen ließen Borowski-Wensing und Kirchhof ihre Stimmen „mit freudigem Geist“ emporsteigen. Zu „Befiehl dem Ewigen deinen Weg (Psalm 37)“, von Louis Lewandowski, betonten strahlende Akzente das besungene Licht. Mendelssohns Psalmvertonung „Wirf dein Anliegen auf den Herrn“ intonierte das Quartett anfangs mit spannungsreicher Langsamkeit, verdichtete dann das Tempo mit entschiedener Aussagekraft. Elegant ausformuliert wurden die Stimmungswechsel von Pachelbels Magnificat: Da wurde vornehme Ruhe von schwungvollen Einwürfen abgelöst, setzten flüchtige Passagen von Alt, Tenor und Bass einen Kontrapunkt zu lang atmenden Melodiebögen des Soprans.

Das Ergebnis der Spendenaktion ist 986,01 Euro. „Wir sind sehr dankbar“ so Dagmar Borowski-Wensing.

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