Lesung in der Bücherei: van Gogh zwischen Genie und Wahnsinn

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Werne. Am Mittwochabend war zum Auftakt des 50. Jubiläumsjahres des Fördervereins der Stadtbücherei Werne Josef Schoenen zu Gast im Wohnzimmer und nahm die Anwesenden mit auf eine eindrucksvolle Reise durch das bewegte Leben Vincent van Goghs.

Schoenen erwies sich als sehr ausdrucksstarker Redner, der die wechselnden Stimmungen eines selbst sprachbegabten Malers durch das Vortragen von dessen Briefauszügen an seinen Bruder Theo gekonnt wiederzugeben vermochte. Zentral war in dieser musikalisch und visuell untermalten Lesung ein Bild van Goghs, das ihn als tiefsinnigen, eigenbrötlerischen, mitunter unbequemen Menschen zeigte, der sagte, was er dachte und damit häufig gegen damalige Konventionen verstieß.

Entpuppten sich erste Zeichnungen van Goghs als nicht allzu gelungen, so wandelt sich das Blatt nach dem Scheitern einer Ausbildung im Kunsthandel und einem Ausflug in die religiöse Predigerei, als er beschließt, Maler zu werden. Zwar verlässt er die Kunstakademie nach kurzer Zeit wieder, doch zeigt sich sein Talent durch das Kopieren anderer Künstler, um autodidaktisch neue Techniken zu lernen. In wenigen Monaten eignet er sich verschiedene Malstile an, und seine Gemälde zeichnen sich nach einer ersten dunklen Phase durch Farbexperimente, starke Kontraste und eine hohe Leuchtkraft aus.

Van Gogh ordnet ab 1880 alles seinem künstlerischen Schaffen unter, isst wenig, trinkt dafür viel und schafft innerhalb von zehn Jahren hunderte Ölgemälde. So sah man ihn sogar des Nachts, passend zu seinem Außenseiterimage, mit Kerzen auf der Hutkrempe und Staffelei, um in den Feldern zu malen. Je nach Gefühlslage ändert sich sein Pinselstrich, ist mal dynamisch fließend, mal breit, mal gepunktet.

Insgesamt beschreibt Schoenen die letzten Lebensjahre van Goghs als von (psychischen) Krankheiten gezeichnet. Nicht nur schneidet er sich nach einem heftigen Streit mit Gauguin den unteren Teil seines linken Ohres ab. Auch schießt er sich 1890 selbst in die Brust und stirbt kurz darauf mit 37 Jahren, ohne im Entferntesten zu ahnen, welch schwindelerregend hohen Millionenbeträge seine Gemälde erreichen würden, geschweige denn, dass sogar Lesungen mit seinen literarisch wertvollen und von tiefen Emotionen zeugenden Briefen abgehalten werden.

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