Werne. Eine schwangere Frau allein in der Nacht. Blätter rascheln. Äste knacken. Und dann: Schritte. Atemgeräusche. Petra Loyda wirft ihre Zuhörerinnen und Zuhörer mitten in den wahr gewordenen Albtraum jeder Frau. Obwohl die Atmosphäre in der Buchhandlung Beckmann alles andere als beängstigend ist, fesselt die Anspannung von Loydas Hauptfigur.
Alina hat sie die junge Frau genannt, die sich von ihrem narzisstischen Ehemann lösen will. Und sich plötzlich zwischen zwei Welten und zwei Männern wiederfindet. Keiner dieser beiden Männer ist ihr Ehemann. In der Lesung am Freitagabend (17. April 2026) stellte Petra Loyda vor ausverkauftem Haus ihren Debütroman vor. Eine düstere Romanze in einer Fantasiewelt.
Zehn Jahre lang hatte die Autorin, die in der Nachbarschaft von Bücher Beckmann einen Hundesalon führt, an ihrem Buch gearbeitet. „Dass es jetzt erschienen ist, habe ich meiner Mutter zu verdanken“, erzählte sie dem Publikum. Diese habe ihr jahrelang in den Ohren gelegen, das Buch, an dem Loyda feilte und feilte, endlich fertigzustellen. Zum 82. Geburtstag fand die Mutter, die in der ersten Reihe saß, den Roman schließlich auf ihrem Gabentisch.

Alinas Welt gerät mit einer mysteriösen Verfolgungsjagd am Cappenberger See ins Wanken. Wie ihr erschließt sich auch den Lesern erst nach und nach, dass in dieser Welt nicht alles ist, wie es scheint. Von seltsamen Zeichen, Blut trinkenden Babys und Menschen, die ungewöhnlich lange leben, ist die Rede. Für die Lesung holte sich Petra Loyda erfahrene Unterstützung an ihre Seite. Der Werner Autor und Satiriker Christian Huppert trug Passagen der männlichen Protagonisten vor. Als eine Frau in Cappenberg tot aufgefunden und ihr Mann des Mordes verdächtigt wird, bringt der geheimnisvolle James Alina in ein Internat, das seine Mutter leitet. Dort erkennt Alina erstmals, dass sie offenbar mit James verheiratet gewesen ist. In einem anderen Leben.
„Meine Cousine ist viel zu früh gestorben und ich habe nicht eingesehen, dass das Leben einfach so endet“, erklärt Petra Loyda. Durch das Schreiben habe sie einen Weg gefunden, damit umzugehen. „Das passte: Als Kind habe ich ein Kinderbuch geschrieben, das meine Cousine für mich noch auf der Schreibmaschine abgetippt hat.“ Loyda suchte eine Erklärung dafür, dass die Seele nicht einfach verschwindet. So erfand sie die Sentry – ein unsterbliches Volk, das die Sterblichen vor dem „cattivo“, dem Bösen (aus dem Italienischen, Anmerkung der Redaktion) beschützt. Seelenwanderung, Wiedergeburt und das uralte Problem, wie das Böse in die Welt kommt: „Das ist ein opulenter Stoff, der an die Grundfragen unseres Seins rührt“, urteilt Buchhändler Hubertus Waterhues über „Sentry. Der Engelskuss“.

Unterstützung und handwerkliches Rüstzeug holte sich Petra Loyda in Schreibwerkstätten von Magnus See. In dessen Ventura Verlag ist ihr Roman jetzt erschienen. Wer am Ende des Buches denkt, dass könne noch nicht alles gewesen sein, liegt richtig. „Es wird eine Fortsetzung geben“, kündigte Loyda an. Ihr Verleger habe bereits zugestimmt. Und noch einmal zehn Jahre werde es diesmal nicht dauern.
Petra Loyda: Sentry. Der Engelskuss, 2026 im Ventura Verlag, Taschenbuch, 368 Seiten, 18 Euro






















