Werne. „Das ist nicht mehr nur Scheiße am Schuh, das ist auch kein kleiner Haufen mehr, das ist ein ganzes Güllefass, das wir inzwischen mitschleppen“ – Pascal Harder, Trainer des Werner SC, fasst die beschi….. (pardon: bescheidene) Situation seines Teams in der Fußball-Landesliga (4) drastisch zusammen.
Nach dem verpassten ersten Saisonsieg im Kellerduell beim SC Münster 08 (1:3) und dem Verbleib auf einem Abstiegsplatz wächst für ihn und sein Team der Druck von außen.
Harder stand am Sonntag nach dem Abpfiff noch längere Zeit grübelnd in der Nähe seiner Coachingzone, als ihn Solidaritätsbekundungen aus den Reihen der Gastgeber erreichten: So hart unter der Gürtellinie, wie er von Teilen des eigenen Anhangs während der Partie angegangen worden sei, habe man das auch noch nicht erlebt, ließ man den Werner Trainer wissen.
Entzündet hatte sich der Unmut auf den Rängen an der ungewohnt frühen, aber nachvollziehbaren Auswechslung des Offensivduos Jannik Prinz/Xavier Enakimio (32.). „Wir haben gesagt, wir laufen vorne an. Und ich hatte es mehrfach angekündigt: Wenn ihr euch nicht bewegt, nehme ich euch runter, und wenn es nach 20 Minuten ist“, nennt Harder den Grund: „Ich musste jetzt mal handeln.“ Das Tor zum Ausgleich durch den eingewechselten Finn Drücker bestätigte letztlich sogar seine Maßnahme.
„Das ist das Traurige daran: die kommen ja nur am Wochenende, und die sehen ja vieles nicht“, sagt der Trainer über seine schärfsten Kritiker – und liefert ihnen weitere Erklärungen: „Ich nehme Alessandro (Persighe, d. Red.) runter, weil er beide Fersen blutig hat, da muss ich mir auch einen dummen Spruch anhören. Ich nehme Colin (Lachowicz) runter, weil er auch nicht mehr konnte, weil er die ganze Woche krank war. Ich bringe Johannes (Schwenniger) erst spät, weil er in den letzten Spielen im Pokal und in der Zweiten Oberschenkelprobleme hatte und wieder runter musste, das sehen die alle nicht. Und die sehen auch nicht, was die Jungs für Vorgaben haben. Warum bringe ich Jonas (Hahn) später über links? Weil er ein Linksfuß ist, der mit scharfen Bällen über links die Kugel reinbringen kann. Da sind schon Gedanken dahinter…“

Trotz des scharfen Gegenwinds – und ohne Rückendeckung aus dem nach Ingo Börgers Rücktritt nicht vorhandenen Abteilungsvorstand – geht es für den 38-Jährigen weiter: „Wir haben uns noch nicht abgeschrieben. Das macht auch keiner von den Jungs. Chris Thannheiser macht sie heiß, Henry Poggenpohl macht sie heiß, untereinander machen sie sich heiß. Ich kenne Mannschaften, da ist bei einer solchen Situation die Stimmung eine komplett andere. Bei uns ist sie gut, die Jungs geben im Training Vollgas – aber sonntags funktioniert es einfach nicht.“
Dabei war in den vier Spielen zuvor eine Aufwärtstendenz zu erkennen: In Raesfeld gab es, nach 2:1-Führung bis zur 90. Minute, ein unglückliches 2:2-Unentschieden. Es folgte ein 3:3 gegen den Aufstiegskandidaten Hammer SpVg, und auch die 0:1-Niederlage in langer Unterzahl beim Tabellendritten SVE Heessen (Heimbilanz: vier Spiele, vier Siege, 13:0 Tore) war spielerisch kein Rückschritt. Es folgte das 1:1 daheim gegen Altenrheine mit vielen Chancen, aber zu wenig Ertrag – und nun in Münster „ein klassisches Kellerduell, in dem wir ausgekontert worden sind“ (Harder).
Der Alltag soll jetzt für ein bisschen Ruhe sorgen: Normales Training am Dienstag, Kreispokal-Achtelfinale am Donnerstag gegen Bezirksligist Mecklenbeck (19.30 Uhr, Lindert), dann ein freies Wochenende, „damit die Jungs mal abschalten können“. Bis zum nächsten Ligaspiel am 18. Oktober daheim gegen den SuS Stadtlohn (15 Uhr, Lindert) soll sich auch das Lazarett wieder lichten.
„Leon Becker und Jonas Woitaschek wollen dann wieder dabei sein, damit ergeben sich Alternativen in der Innenverteidigung und auf der Sechs“, sagt der Trainer. Zudem bietet sich Pierre Linnemann an, ein talentierter Defensivmann aus der U19, und auch Maxime Ambrose hat das Training wieder aufgenommen. „Aber er braucht noch zwei, drei Wochen“, weiß Harder. Verbleiben Tim Abdinghoff (doppelter Bänderriss) und Nico Holtmann (Muskelabriss) auf der Verletztenliste.
Hoffnung macht auf Sicht auch die Rückkehr von Luis Dombrowski aus seiner Vier-Spiele-Sperre (Rot in Heessen). Er darf am 8. November gegen die SpVg Emsdetten 05 wieder ran. Gegen Stadtlohn und in Gemen (Freitag, 23. Oktober) muss der mit vier Treffern torgefährlichste Angreifer des WSC allerdings noch zuschauen.




















