Werne/Lünen (pbm/mek). Wenn Christian Kuzior durch die Flure des St.-Christophorus-Krankenhauses in Werne geht, trägt er keine Medikamente und stellt keine Diagnosen. Was er mitbringt, ist Zeit. Zeit zum Zuhören, zum Aushalten und zum Dasein.
Seit dem 1. März arbeitet der 47-Jährige als Krankenhausseelsorger in Werne und Lünen. Am Sonntag, 27. September, wird er gemeinsam mit 15 weiteren Frauen und Männern von Bischof Heiner Wilmer für seinen Dienst als Pastoralreferent im Bistum Münster beauftragt. Für Kuzior ist es ein weiterer Meilenstein auf einem ungewöhnlichen Berufsweg.
Wer mit Kuzior spricht, merkt schnell, dass gerade Wege ihn selten ans Ziel geführt haben. Und genau darin sieht er heute seinen Reichtum. „Manche Menschen erlernen einen Beruf und machen ihr ganzes Leben lang immer dasselbe. Ich habe viele verschiedene Dinge gemacht und daraus viel gelernt“, sagt er.
Aufgewachsen in Lübeck, absolvierte er zunächst eine Ausbildung zum Bankkaufmann. Danach folgte eine Ausbildung zum Orgelbauer bei der Firma Fleiter in Münster-Nienberge. Parallel drückte er abends die Schulbank, um das Abitur nachzuholen. Später studierte er Theologie in Münster und Frankfurt. Doch auch nach dem Diplomabschluss 2013 verlief sein Weg keineswegs geradlinig. Es folgten Jahre mit unterschiedlichsten Tätigkeiten unter anderem als Bestatter und Trauerredner.
Vielleicht sind es gerade diese Erfahrungen, die ihn heute für seinen Beruf prägen. Denn immer wieder arbeitete er dort, wo Menschen an Grenzen stoßen. So zum Beispiel als Gefängnisseelsorger in der Justizvollzugsanstalt Neumünster. „Im Gefängnis haben die Menschen ihre Freiheit verloren, im Krankenhaus ihre Gesundheit und als Bestatter habe ich Menschen begleitet, die einen geliebten Menschen verloren haben. Das sind alles Extremsituationen. Da fühle ich mich wirksam“, sagt Kuzior.
Seine Motivation beschreibt er ohne große Worte, dafür sehr persönlich. Für ihn werde Gottes Wirken dort sichtbar, wo Menschen einander beistehen. „In diesen Momenten, in denen Menschen sich gegenseitig helfen und Gutes einander tun, wird Gottes Handeln sichtbar“, ist er überzeugt.
Dass er einmal in der Kirche arbeiten würde, hatte seinen Ursprung schon in der Kindheit. Doch während andere Kinder in den Kirchenbänken saßen, zog es ihn auf die Orgelempore. „Ich bin immer zum Organisten hochgelaufen und habe ihm beim Spielen zugeschaut. Das fand ich viel interessanter“, erinnert er sich schmunzelnd.
Besonders geprägt habe ihn ein Priester seiner Heimatgemeinde, der Tradition und Offenheit miteinander verband und Generationen von Menschen begeistern konnte. „Die Schönheit der Liturgie hat mich berührt“, sagt Kuzior rückblickend.
Heute arbeitet er im St.-Christophorus-Krankenhaus in Werne und gemeinsam mit den Seelsorgenden Maria Thiemann und Dr. Hermann Opgen-Rhein am Marienhospital in Lünen. Er besucht Kranke und Angehörige, gestaltet Gottesdienste, organisiert die Krankenkommunion und ist Teil der interdisziplinären Teams. Seelsorge versteht er dabei nicht als Randaufgabe. Vielmehr sieht er sich als Teil eines Teams, das Menschen nicht nur medizinisch, sondern auch seelisch begleitet.

Dabei erlebt er immer wieder, dass Menschen gerade in Krankheit beginnen, über ihr Leben nachzudenken. Auch diejenigen, die mit Kirche lange nichts mehr zu tun hatten. „Die Krankheit ist oft eine Gelegenheit, sich daran zu erinnern, was einem früher einmal gutgetan hat“, erzählt er. Sein eigener Glaube wirkt dabei unaufgeregt. „Jesus ist für mich wie ein guter Freund. Die letzten zehn Prozent muss er machen. Darauf verlasse ich mich“, sagt Kuzior.
Im Münsterland fühlt sich der gebürtige Norddeutsche inzwischen angekommen. Die Menschen seien herzlich und ehrlich, sagt er. Auch wenn er seine Heimat an der Ostsee weiterhin regelmäßig besucht.
Für die kommenden Jahre wünscht er sich vor allem, Menschen begleiten zu können, wenn das Leben schwierig wird. Genau dort sieht er seinen Platz. Vielleicht ist es gerade sein ungewöhnlicher Weg, der ihn darauf vorbereitet hat. Christian Kuzior kennt Umwege, Brüche und Neuanfänge aus eigener Erfahrung. Heute gibt er die Hoffnung weiter, die ihn selbst durch manche Wegbiegung getragen hat.




















