Mittwoch, März 4, 2026

Gereift und souverän: Absolventen des Dresdner Kreuzchores begeistern

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Werne. „Wir singen a cappella, das geht überall und immer, in der allergrößten Halle und im winzig kleinen Zimmer“: Mit den Worten der „Wise Guys“ bewies das „twentytwo-Ensemble“ am Sonntag in der voll besetzten Christophorus-Kirche, wie beeindruckend Musik ohne Instrumente funktionieren kann.

Schon vor sieben Jahren hatten die neun jungen Männer das Publikum in Werne begeistert – als Knabensänger im Dresdner Kreuzchor, den die Stiftung Musica Sacra Westfalica damals für einen Auftritt gewinnen konnte. Jetzt kamen sie auf Einladung der Stiftung erneut, mit einem gereiften Klangbild und einer souveränen Interpretation, die vom jahrelangen Training in einem der besten Chöre der Welt zeugte.

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Mit ihrem zweistündigen Programm unternahmen sie eine Zeitreise in die Geschichte des A-capella-Gesangs, von gregorianischen Traditionen bis hin zum Vokal-Pop der Wise Guys. Feine Nuancen im Auftritt unterstrichen das. In geschlossener Formation zog das Ensemble, einer Gruppe von Mönchen ähnelnd, ins Kirchenschiff ein, den Vespergesang „O lux beata trinitas“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy intonierend. Im weltlichen Teil animierten sie die Zuhörenden zum Mitklatschen des Gospel-Songs „Oh happy Day“ und sorgten für Lacher, als sie sich kollektiv Sonnenbrillen aufsetzten – passend zum Lied „Jetzt ist Sommer“ (noch einmal von den Wise Guys). Stimmlich faszinierten die Absolventen des Abiturjahrgangs 2022 – also „twentytwo“ – mit einem makellos durchhörbaren Zusammenklang, mit fein abgesetzten Tönen und mit einem klugen Wechselspiel von Solo- und Tutti-Gesang – und das in der gesamten Bandbreite männlicher Stimmlagen von Countertenor über Tenor und Bariton bis zum Bass.

Das Sanctus aus der „Missa mille regretz“ von Cristobal de Morales erklang wie eine Blüte, die nach und nach ihre Blätter entfaltet. Zwischen Hoffnung und Verzweiflung schwankend ertönte Mendelssohn-Bartholdys Vertonung von Psalm 22. Durch die Weite des Kirchenraums hallte die solistische Klage „Mein Gott, warum hast du mich verlassen“. Zagend zunächst, dann mit wachsender Zuversicht antwortete ein mehrstimmiger Chor, sich schließlich zu einem trotzigen Crescendo aufschwingend.

Das passende Accessoire zum Lied „Jetzt ist Sommer“: Kleine Nuancen wie diese Sonnenbrillen belebten den Auftritt optisch.
Das passende Accessoire zum Lied „Jetzt ist Sommer“: Kleine Nuancen wie diese Sonnenbrillen belebten den Auftritt optisch.

Die Choralmotette: „Ach wie flüchtig“ stammte aus der Feder von Karl Pohlandt, dem musikalischen Leiter des Ensembles – der diesem jedoch nicht als Dirigent vorstand, sondern mitsang und nur mit sachten Handbewegungen und Augenzeichen den Einsatz gab. Seine barock inspirierte Motette weckte Spannung durch kleine Reibungen und abrupte Tempiwechsel. Beim „Nearer, my god to thee“ von James Stevens wurde die zuversichtliche Solostimme getragen von einem fein gewebten Klangteppich aus Staccatotönen. „I‘ll live in glory“ (John Henson/David Wright) schwang leichtfüßig durch den Kirchenraum.

Mit anhaltendem Applaus belohnte das Publikum das Konzert – und wurde seinerseits mit einer Zugabe belohnt.
Mit anhaltendem Applaus belohnte das Publikum das Konzert – und wurde seinerseits mit einer Zugabe belohnt.

Bei den moderneren Stücken, die den zweiten Teil des Konzerts beherrschten, demonstrierten die Sänger die lautmalerischen Fähigkeiten ihrer agilen Stimmen. Mit kräftigen Zungenschlägen ahmten sie gezupfte Balalaikas nach („Wenn die Sonja russisch tanzt“, Comedian Harmonists). Dann wieder imitierten die Bässe ein rhythmisches Schlagwerk, schwelgten die Tenöre in streicherähnlichen Melodiebögen („A capella“, Wise Guys). Am Ende erhob sich ein hingerissenes Publikum von den Bänken und klatschte mit Ausdauer eine Zugabe heraus – ein innig moduliertes, romantisches Gute-Nacht-Lied von Adolf Eduard Marschner.

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