Werne. Der Schüleraustausch zwischen dem Gymnasium Sankt Christophorus (GSC) in Werne und dem Externat Sainte-Marie in Lyon gehört zu den ältesten in Nordrhein-Westfalen. „Wenn wir ein Paar wären, würden wir jetzt die Orchideenhochzeit feiern“, scherzte Thierry Lalanne, Deutschlehrer am Externat.
Am Montagnachmittag (04.05.2026) feierten Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer aus Deutschland und Frankreich am GSC den 55. Geburtstag dieser Schulpartnerschaft.
Schulleiterin Sandra Crämer und andere Redner erinnerten an deren Anfänge. Junge Priester aus Lyon und Werne, darunter Pater Ludolf Signon, wollten ihrerzeit neue Zeichen setzen. „Sie beschlossen, die Spannungen zwischen Deutschland und Frankreich hinter sich zu lassen, und zeigten den Mut zu neuen Begegnungen“, sagte Marie-Pierre Alliod. Die langjährige Begleiterin französischer Schülergruppen gehörte zu den Ehrengästen der Feier. Zwischendurch sorgte der Mittel- und Oberstufenchor „Cantos“ mit Songs aus Disney-Filmen für Unterhaltung.
Partnerschaft lebendig halten
In Lyon war das 50-jährige Jubiläum der Partnerschaft vor fünf Jahren groß gefeiert worden. „Aber wir hatten aufgrund der Coronapandemie keine Gelegenheit mehr zu einer Gegeneinladung in Werne“, erklärte Katharina Noël von der Fachschaft Französisch am GSC. Die Schulpartnerschaft mit Lyon habe mit der Trägerschaft des Christophorus-Gymnasiums zu tun. Das städtische Anne-Frank-Gymnasium pflegt den Austausch mit Wernes Partnerstadt Bailleul. Das GSC war dagegen eine Schule der Arnsteiner Patres, bevor es bischöflich wurde. Und so waren es Arnsteiner, die 1970 in einem Ordenszweig der Maristen in Lyon ein passendes Gegenstück für den Austausch fanden.

„Freundschaften entstehen dort, wo Menschen einander Zeit und Aufmerksamkeit schenken“, sagte Schulleiterin Sandra Crämer mit Bezug auf den „Kleinen Prinzen“. Der Autor des weltbekannten Buches, Antoine de Saint-Exupéry, wurde in Lyon geboren. In diesem Sinne seien aus dem Austausch zwischen dem GSC und dem Externat in Lyon neue Freundschaften entstanden, von denen viele seit Jahrzehnten Bestand hätten. Dazu lernten die Schüler aus Werne eine französische Großstadt, die aus Lyon eine deutsche Kleinstadt kennen.

Crämer dankte allen, die sich seit mehr als einem halben Jahrhundert für den Austausch engagierten. An die Schülerinnen und Schüler gewandt, fügte sie hinzu: „Ihr macht den Austausch erlebbar.“ Ihr Amtskollege Arnaud Patural konnte zu seinem Bedauern nicht zur Feier nach Werne kommen. Sein Grußwort verlasen Katharina Noël und Stefanie Engelke auf Deutsch und Französisch. Darin versicherte Patural, es sei ihm ein großes Anliegen, die Partnerschaft lebendig zu halten.

Freundschaften entstehen
Einer, der für die Geburtstagsfeier an seine frühere Schule zurückkehrte, war Bürgermeister Lars Hübchen. Er selbst sei als Schüler nicht in Lyon gewesen, sondern in Wernes italienischer Partnerstadt Poggibonsi. Dort habe er unter anderem gelernt, dass in Italien eigentlich nicht gefrühstückt wird und italienische Musikschüler plötzlich entscheiden, einfach auf einer Piazza zu musizieren. „Da sind Erfahrungen, die bleiben“, sagte Hübchen. „Und Europa entsteht weniger aus Verträgen als aus solchen Begegnungen.“

Die französischen Gastschüler, die aktuell im Zuge des Austausches in Werne weilen, hatten einen selbst gedrehten Kurzfilm mitgebracht, in dem sie ihre Schule in Lyon vorstellten. Im Gegenzug berichteten drei deutsche Schülerinnen und Schüler auf Französisch von ihren Erfahrungen. Dazu zählte vor allem, im Nachbarland Freunde gefunden zu haben. Der Schüleraustausch findet jedes Jahr statt. „Meist sind es 20 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 7 bis 9“, berichtete Noël.

Eine, die den Austausch mehrfach mitgemacht hat, ist Dr. Miriam Boehm. Bis heute ist sie mit ihrer damaligen französischen Austauschpartnerin Aline befreundet. „Man wächst mit dem Austausch“, erzählte Boehm in ihrem Grußwort. Ihr sprachliches Repertoire sei anfangs überschaubar gewesen. „Und in meiner Gastfamilie konnte niemand wirklich gut Deutsch.“ Aber beide Seiten hätten gelernt, sich verständlich zu machen, auch ohne perfekte Grammatik. „Das war eine wichtige Erfahrung für mich.“ Mit Hilfe der französischen Teletubbies habe sie sich Übung im Sprechen verschafft. Irgendwann sei dann aus einer Fremdsprache etwas Selbstverständliches geworden. So, wie aus ihrer Freundschaft zu Aline. „Wir sehen uns nicht regelmäßig, aber wenn, dann ist es sofort wieder vertraut.“






















