Donnerstag, Juni 13, 2024

Wenig Frequenz und Leerstände – Innenstadtbelebung dringend gefragt

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Werne. Verwaiste Fußgängerzonen, Leerstände mit zugeklebten Schaufensterscheiben und kaum Passanten, die ihre Einkäufe erledigen oder vielleicht in einem Café oder Restaurant einkehren wollen – die Werner Innenstadt bedarf dringend einer Belebung und hat trotz allem auch Chancen.

„Bei ungünstigem Wetter gleicht Werne einer Geisterstadt“, hatte Friedhelm Bänker, bis zum Jahresende 2023 Inhaber des Fachgeschäftes Adam Schreiben & Schenken, die Situation geschildert. Eine Einschätzung, die die Werner Bürger aus eigener Anschauung nur zu gut kennen und die Wirtschaftsförderung und Politik beschäftigen.

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Im Ausschuss für Stadtentwicklung, Planung und Wirtschaftsförderung am Dienstag, 12. März 2024, belegte Dr. Wolfgang Haensch vor zahlreichen interessierten Besucher/innen im Publikum die oben genannten Eindrücke mit Zahlen. Der Experte ist Partner der Cima Beratung + Management GmbH und hat den Ist-Zustand der Innenstadt analysiert und die Werte in Relation zu denen von vergleichbar großen Mittelzentren gesetzt.

„In Werne haben wir in einer Stunde 200 Passenten gezählt“, berichtete er über die eher dürftige Frequenz. Dabei verfüge Werne doch eigentlich über eine schöne Innenstadt, betonte er. Im ebenfalls rund 30.000 Einwohner zählenden Haan bei Düsseldorf seien es hingegen 400 und an Markttagen bis 600 Passanten pro Stunde gewesen, hielt er zum Vergleich dagegen.

War Werne in der Umgebung lange als Einkaufsstadt mit vielen Inhaber geführten Geschäften bekannt und geschätzt, hat es – dem allgemeinen Trend im Einzelhandel entsprechend – in den vergangenen zehn Jahren einen Rückgang der Geschäfte gegeben.

Das ehemalige Traditionsgeschäft „Adam Schreiben & Schenken“ ist nur einer von zahlreichen Leerständen in der Innenstadt. Archivfoto: Gaby Brüggemann

Zahl der Ladenlokale in zehn Jahren um 20 Prozent geschrumpft

Waren es 2014 noch 106 Geschäfte in Werne, sind es heute noch 85, ein Rückgang um 20 Prozent. Die Ladenfläche sank in diesem Zeitraum von rund 16.000 auf 13.600 Quadratmeter heute. Zwar sei dieser Wert verglichen mit anderen Städten dieser Größenordnung gar nicht so schlecht, beschreibe aber gleichwohl die veränderte Struktur in der Innenstadt, hieß es. Im Gastro-Bereich finden die Gäste 24 Betriebe vor, die zu einem Drittel Fastfood anbieten.

Wenig erfreulich ist die Entwicklung der Leerstände, 2014 waren es 11, heute sind es 18. „Das ist ein signifikanter Anstieg um zehn Prozent“, untermauerte der Innenstadtexperte die Notwendigkeit, gegenzusteuern.

Warenpräsentation ausbaufähig

Die Analyse der Warenpräsentation in den Einzelhandelsgeschäften ergab noch Luft nach oben. Während sich gerade einmal vier Prozent für ihre Präsentation ein „top, allen Ansprüchen genügend“ verdienten und etwa ein Drittel „gut aufgestellt“ zeigte, verharre das Gros auf einem „normalen“ Niveau, zeigte Dr. Haensch weiteren Handlungsbedarf auf. Dass sich dieser lohne, machte er daran fest, das der Werner Einzelhandel über ein qualitativ gehobenes Sortiment verfüge, das so in vergleichbaren Städten nicht selbstverständlich sei.

Mit dem Innenstadt-Grundstück am Konrad-Adenauer-Platz 1 – dem sogenannten Hühnerhof besitzt die Stadt Werne nach dem Ankauf der 3200 Quadratmeter große Fläche und die Chance und die Herausforderung zugleich, gegenüber von Stadthaus und Busbahnhof eine belebtes Stück Innenstadt zu schaffen.

Gestaltung der Hühnerhof-Fläche mit Event-Herzstück als Chance

„Super Lage und verfügbar“, skizzierte Wolfgang Haensch den städtischen Raum, der nun auf seine Gestaltung wartet. Kreative Vorschläge dafür hatten 421 Teilnehmende in einer Online-Ideensammlung abgegeben. Die Ergebnisse der Öffentlichkeitsbeteiligung hatte Linn-Julia Temmann wie berichtet in ihrer Präsentation in der Sitzung vorgestellt. Viel geäußerte Wünsche der Ideengeber waren etwa ein öffentlich zugänglichen Verweil-Ort ohne Konsumzwang, ein tagsüber durchgängig geöffnetes Café sowie Kultur- und Freizeitangebote.

Dr. Haensch empfahl einen Mix aus Einzelhandel, Gastronomie, Freizeit, Kultur und Bildung, Dienstleistungen und einem städtischen öffentlichen Raum. Das Potenzial für den Einzelhandel solle nicht dominieren und bei maximal 1.800 Quadratmetern liegen. Die Chance, dafür einen Investor zu finden, sei allerdings „unwahrscheinlich“. „Tragendes Element“ für die Fläche sei die Gastronomie, machte er deutlich.

Ein öffentlicher Platz zum Aufenthalt, nutzbar ohne Konsumzwang, sei ebenso gewünscht wie Kultur und Bildungsangebote, bestätigte er die Einschätzungen aus der Öffentlichkeitsbeteiligung. Eine Eventfläche mit professionellem Management, die etwa auch das private Anmieten von Räumlichkeiten ermögliche, könne das „Herzstück der Fläche bilden“, so der Experte. Im Obergeschoss von Gebäuden könne man Büros des Dienstleistungssektors oder auch der Stadtverwaltung ansiedeln.

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