Ankes Buchtipp: Bildband weckt Liebe zu nachhaltigem Vintage-Design

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Werne. Gemeinsam mit Hubertus Waterhues und seinem Team von Bücher Beckmann empfiehlt unsere Autorin Anke Barbara Schwarze hier jeden Monat ein Buch, das sie besonders begeistert hat. Das kann ein Roman sein, ein Kinderbuch, ein Sachbuch oder ein Kochbuch: Hauptsache, es gefällt. Diesmal: „The Vintage Way“.

Als ich dieses Buch zum ersten Mal durchgeblättert habe, hätte ich am liebsten an jede zweite Seite einen Klebezettel geheftet: „Will ich haben!“ Beim zweiten Durchblättern wird man vielleicht etwas vernünftiger. Aber es bleiben immer noch genug verführerische Anregungen. Die Fotos sind stimmungsvoll inszeniert, mit einem Blick für Details wie fürs große Arrangement. In 20 Homestorys stellt Sarah Marie Winther den Lebensstil von Menschen vor, die sich im Vintage-Design eingerichtet haben.

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Winther ist Journalistin und Fotografin. Texte und Bilder sind aus einem Guss und ergänzen einander. So liest man über Anders und Nina Lund, dass sie ihre Freizeit „auf der Suche nach schönen, seltenen Möbeln, Lampen, Kunstwerken und Keramik“ verbringen. Vom Text fällt der Blick sofort auf das großformatige Foto auf der gegenüberliegenden Seite, wo sich die Pendelleuchte „Septima“ (Designer: Poul Henningsen) wie ein Blütenblatt vor einer Bilderwand entfaltet. Alle Kunstwerke stammen, wie die Bildunterschrift erklärt, von Flohmärkten oder Antiquitätenhändlern.

Gebrauchtes mit gutem Gewissen

Jenen, die Secondhandkäufe für eine ärmliche Angelegenheit halten, tritt Winther gleich zu Beginn ihres opulenten Bildbands mit überzeugenden Argumenten entgegen. Überzeugend auf jeden Fall in einer Gesellschaft, die angesichts von Klimawandel und schwindenden Rohstoffen ihr Konsumverhalten zu überdenken beginnt. „Indem Sie Produkte kaufen, die bereits im Umlauf sind, reduzieren Sie Ihren Konsum und die CO₂-Emissionen, die bei der Herstellung von neuen Waren entstehen“, erklärt Winther. Gebrauchtwaren halten länger, wenn sie aus Zeiten stammen, in denen hochwertiger produziert wurde. Vintage-Design kann zudem eine Investition sein; der Wiederverkaufswert deckt oft zumindest den Originalpreis. Den Beweis für das vierte Argument tritt Winther mit ihrem Buch schlagkräftig an: „Mit Vintage können Sie Ihr Zuhause individueller gestalten.“

Bevor sie das anhand ihrer Homestorys demonstriert, weist sie ins Wohnen im Vintage-Stil ein. Anfänger wie Fortgeschrittene finden hier wertvolle Tipps: Wie entfernt man üble Gerüche von alten Möbeln (zum Beispiel mit Branntweinessig abwischen), wie schätzt man den Zustand eines gebrauchten Möbels ein und wo findet man überhaupt alte Schätzchen? Erfreulicherweise ist Winther keine Dogmatikerin. Und so hat sie klare Vorstellungen davon, wann Neuware einem Secondhandgegenstand vorzuziehen ist. Etwa, wenn durch Beschädigungen in alten Teekannen oder Geschirr gesundheitsschädliche Stoffe freigesetzt werden. Wer gerade erst beginnt, sich mit dem Thema zu befassen, dem empfiehlt die Autorin, eine Bestandsaufnahme seiner / ihrer Räumlichkeiten zu machen: Wo ist ein Neukauf alter Möbel sinnvoll? Welche Dekorationsobjekte kann ich überhaupt unterbringen?

Fülle von Anregungen

In diesem Sinne hat Winther auch die Auswahl ihrer Homestorys beschränkt. Diese drehen sich vor allem um das Design des 20. Jahrhunderts: Bauhaus, Art Déco, Mid-Century-Modern, also das gradlinige Design der späten 1940er- bis 1960er Jahre. Quasi in einem „Potpourri der Siebziger“ lebt Nina Marxen. Das verkünden die leuchtenden Farben ihres Wohnzimmers auf den ersten Blick. Angst vor Kontrasten hat Marxen nicht, das beweist die Kombi einer orangefarbenen Pilzleuchte mit blauen Vasen und ebensolcher Wandfarbe. Ob man auch sein Bücherregal nach Farben sortiert, wie es Cecilie und Søren Bøllingtoft getan haben, ist Geschmacksache. Optisch sieht es toll aus; ich für meinen Teil bleibe an der Stelle lieber bei einer Sortierung nach Thema oder Autor. Eine andere Vintage-Liebhaberin stellt die skurrilen Eulenvasen der Künstlerin Pylle Søndergaard aus, Stine und Jesper lieben Möbel aus Holz und Weide.

Angesichts der Fülle von Anregungen im Buch bieten die Tipps, die Winther zu jeder Homestory parat hat, eine hilfreiche Orientierung. Etwa das Zweckentfremden: Ein wackliger Stuhl kann zum Nachttisch, ein Aschenbecher zum Schmuckbehälter umfunktioniert werden. Oder die Kombination einer Vintage-Einrichtung mit zeitgenössischen Gemälden. Alten Bildern auf Flohmärkten sollte man übrigens immer einen zweiten Blick schenken: Selbst wenn das Motiv absolut nicht gefällt, kann der Rahmen einen Kauf wert sein. Eine Liste mit Bezugsquellen und ein Register mit Designern runden dieses Buch mit seiner anschaulichen Balance zwischen Ratgeber, Bildband und Reportagen ab.

Sarah Marie Winther: The Vintage Way. Ein Zuhause voller Charakter mit Klassikern von Bauhaus bis Industrial Design, Prestel Verlag 2026, gebunden, 224 Seiten, 34 Euro

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