Samstag, Juni 15, 2024

Zwei Standorte ein „Desaster“ – Anbau für Wiehagenschule kommt

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Werne. Die Hängepartie um die Wiehagenschule scheint beendet: Mit neun Ja-Stimmen und sechs Enthaltungen beschloss der Schul- und Sportausschuss am Dienstag (05.06.2024) einstimmig den Erweiterungsbau an der Stockumer Straße – mit dem Vorbehalt, wenn möglich, weitere Anpassungen vorzunehmen.

Bevor es letztlich zur Abstimmung im Fachausschuss kam, hatte die CDU-Fraktion zunächst Beratungsbedarf angekündigt, um die Entscheidung in den Betriebsausschuss für den Kommunalbetrieb Werne (KBW) am 13. Juni zu verschieben. Danach kämpfte Fraktionschefin Uta Leisentritt noch einmal vehement darum, angesichts des Millionen-Haushaltslochs die „Reißleine“ zu ziehen. Schließlich enthielten sich die Christdemokraten nach einer zehnminütigen Sitzungsunterbrechung ihrer Stimmen.

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Für SPD-Ratsherr Dirk Pohl war die Verwaltungsvorlage „schlüssig, nachvollziehbar und selbsterklärend“. Darin rät das Schuldezernat von einer Dependance-Lösung (zwei Standorte der Wiehagenschule) unter Nutzung der Wienbredeschule ab. „Um weiteren Zeitverzug und damit eine noch längere Belastung aller Schülerinnen und Schüler und Mitarbeitenden an der Wiehagenschule zu
vermeiden, wird verwaltungsseitig nachdrücklich eine Realisierung der Erweiterungspläne empfohlen“, heißt es weiter. Die Sozialdemokraten um die Ausschussvorsitzende Marita Funhoff, Grüne, FDP und UWW forderten eine Beschlussfassung – und setzten sich damit schließlich durch.

Bevor es zur Abstimmung kam, wandte sich die Kreis-Schulamtsdirektorin Bettina Riskop mit einer emotionalen Ansprache an die politischen Vertreter der Stadt Werne. „Ich begleite Sie jetzt im 14. Jahr in diesem Ausschuss. Für Sie standen die Kinder und Jugendlichen immer an erster Stelle. Das hat mich schwer beeindruckt. Beschließen Sie nicht noch einmal eine Dependance für die Wiehagenschule, erzeugen Sie kein Desaster. Es ist schwierig für ein Kollegium, bestmögliche Bildungsarbeit zu leisten, wenn es nicht weiß, wann eine Umbruchphase endet. Deswegen appelliere ich an Sie, für den Erweiterungsbau zu stimmen“, sagte sie sichtlich bewegt.

Zuvor kam es zwischen den Fraktionen zu einem regen Schlagabtausch. Uta Leisentritt (CDU) bekräftige noch einmal die Forderung, bei den Plänen für die Wiehagenschule die „Reißleine“ zu ziehen: „Wir können uns das nicht leisten.“ Sie regte an, die ehemalige Wienbredeschule dauerhaft zu reaktiven und rechnete vor, dass dann die Sanierungen von den zwei Einfachhallen an den Standorten ausreichen würden. Der Neubau der geplanten Zweifach-Sporthalle könne dann entfallen. „Wir nehmen für das alte Schulgebäude drei, vier Millionen in die Hand. Am Ende sparen wir sogar noch neun Millionen Euro. Warum darf man den Gedanken nicht aufwerfen?“, rechnete Leisentritt vor und verwies auf die ab 2026/27 wieder sinkenden Schülerzahlen.

„Die Wiehagenschule braucht jetzt ihren Frieden.“

Schuldezernent Frank Gründken während der Debatte um die Erweiterung der Grundschule.

Das brachte indes Schuldezernent Frank Gründken regelrecht auf die Palme: „Es ist fatal, dass Sie jetzt neun Millionen Euro Einsparungen in den Raum stellen: Turnhallensanierungen kriegen Sie nicht mehr für jeweils 1,2 Millionen Euro, dazu kommt die Baukostenentwicklung und nicht zu vergessen, stehen noch 3,8 Millionen Euro an Fördermitteln in Aussicht. Zudem ist die Einrichtung einer modernen Schule am Standort Wienbrede nicht möglich. Schule hat sich massiv verändert. Die Wiehagenschule braucht jetzt ihren Frieden. Die unsichere Situation sorgt schon dafür, dass Eltern ihre Kindern nicht dorthin schicken wollen.“

Gründken versicherte auf Nachfrage erneut, dass die Fördergelder kommen werden. „Ich kann meine Hand nicht zu hundert Prozent ins Feuer legen, aber sicher zu 95 Prozent. Dem Antrag konnte bislang nur noch nicht zugestimmt werden, weil wir bis dato nicht in Leistungsphase III der Planungen gewesen sind – weil die CDU uns daran gehindert hat“, so der Dezernent weiter.

Auch in den anderen politischen Fraktionen herrschte Unverständnis über die abermaligen Diskussionsbedarf auf Seiten der CDU. Tanja Schätz (FDP) beklagte ein „Déjà-vu“ und widersprach Leisentritt vehement, die zuvor Eltern zitierte, die von der vergangenen Dependance-Lösung an der Wiehagenschule schwärmten („Das war die schönste Zeit“). „Nein, das war eine Katastrophe. Das sage ich aus eigener Erfahrung. Das darf nicht noch einmal passieren“, so die Vertreterin der Liberalen.

Christoph Schade (Bündnis 90 / Die Grünen) zweifelte ebenfalls die CDU-Rechnung an: „Es sind ja nicht nur die Renovierungs- sondern auch die Folgekosten im energetischen Bereich.“

Dirk Pohl (SPD) sagte zu den Wiederbelebungsplänen für die Wienbredeschule in Richtung CDU: „Jetzt zaubern Sie das nächste Kaninchen aus dem Hut. Müssen Sie denn alles infrage stellen. Irgendwann ist es auch mal gut.“

„Dass wir die Kosten im Blick halten wollen, passt Ihnen natürlich nicht. Auch wir wollen das Beste für unsere Kinder“, sagte Uta Leisentritt, bevor Bettina Riskop wie schon Ende 2021 die Schwierigkeiten bei der Errichtung einer neuen Schule ansprach: „Das lässt sich nicht mal eben stemmen und ist ein aufwendiger Prozess.“ Danach kam es zu der angesprochenen Sitzungsunterbrechung und der anschließenden Abstimmung über den neuen Beschlussvorschlag. Die Erweiterung der Wiehagenschule am Standort Stockumer Straße unter Berücksichtigung des derzeitigen Planungsstandes und möglicher Einsparungen erhielt „grünes Licht“. Die weitere Beratungsfolge: KBW-Ausschuss (13. Juni) und Stadtrat (24. Juni).

Zeitplan für die Wiehagenschule

Wernes Schulamtsleiterin Kathrin Kötter gab bereits zuvor den Sachstand zur Wiehagenschule bekannt. Drei Monate würde man sich hinter dem ursprünglichen Zeitplan befinden. Im April 2025 könnte der Bau der Erweiterung beginnen, im März 2026 dann abgeschlossen sein. Von April bis Ende November 2026 wäre dann die Erweiterung der Mensa an der Reihe.

Wann die alte Turnhalle auf dem Schulgelände abgerissen werden soll, wird vor den Sommerferien entschieden.

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